Es ist schon paradox. Schließlich, der Professor sagt es mit einem hauchdünnen Anflug von Ironie in der Stimme, wird man nicht alle Tage für die Verwirklichung einer Idee ausgerechnet von einem Gegner ebendieser Idee geehrt. Die Bezeichnung "Gegner", die Maciej Nowicki nicht persönlich verstanden wissen will, bezieht sich auf Theo Waigel.

Am 20. Oktober wird der Bundesfinanzminister in Hamburg dem Polen Maciej Nowicki einen Scheck über 500 000 Mark samt Urkunde überreichen.

Einen weiteren Scheck über dieselbe Summe bekommt die Möbelfirma Wilkhahn Wilkening & Hahne. Beide, der polnische Wissenschaftler, Politiker und Ökologe und das Unternehmen aus dem niedersächsischen Bad Münder, haben sich um die Umwelt verdient gemacht.

Es geschieht zum ersten Mal, daß ein Ausländer den seit 1992 alljährlich vergebenen Deutschen Umweltpreis bekommt. Verliehen wird die Ehrung von der 1990 gegründeten Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Ihr riesiges Stiftungskapital von 2,5 Milliarden Mark stammt aus dem Privatisierungserlös der bundeseigenen Salzgitter AG und macht sie zur größten europäischen Stiftung in Sachen Umwelt. Die Erträge aus dem Stiftungsvermögen erlaubten bis Ende 1995 die Förderung von nicht ganz 2000 Projekten und die jährliche Vergabe des mit einer Million Mark höchstdotierten Umweltpreises in Europa. In diesem Jahr wurde der Preis gesplittet.

Gemessen an dem deutschen Stiftungskoloß mit Sitz in Osnabrück, ähnelt Nowickis Ecofund-Stiftung einem Zwerg. Für die viel bescheideneren polnischen Verhältnisse jedoch ist sie ein wahrer Krösus, der seit 1993 mit bereits umgerechnet 140 Millionen Mark den Import modernster Umwelttechnologien aus den USA, Frankreich und der Schweiz im Wert von knapp 700 Millionen Mark nach Polen gefördert hat.

Daß die deutsche Industrie von diesem Kuchen nichts abbekommt, war von Theo Waigel so gewollt. 1990 entwickelten der damalige polnische Umweltminister Nowicki und der Warschauer Professor Tomasz Zylicz ein interessantes Konzept. Die Auslandsschulden, die von den bis 1989 in Polen regierenden Kommunisten angehäuft wurden, sollten dem Umweltschutz zugute kommen. Westliche Gläubigerstaaten sollten auf die Rückzahlung von zehn Prozent des Geldes verzichten und es statt dessen für die Verbesserung der in vielen Regionen Polens katastrophalen Umweltsituation verwenden. "Vor allem in ihrem eigenen Interesse", auf diese Feststellung legt Nowicki, seit 1992 Gründer und Ecofund-Präsident, größten Wert.

Frankreich, die Vereinigten Staaten und die Schweiz sind auf den Vorschlag eingegangen. Ihre Regierungsvertreter überwachen im Ecofund-Stiftungsrat Ausschreibungen für Ökotechnologie, an denen sich nur Firmen der drei Geldgeberländer und Polens beteiligen dürfen. Oft geht es dabei um modernste Klär- oder Entschwefelungsanlagen, die in Polen ansässige amerikanische, französische und Schweizer Firmen bauen wollen. Schon bald will auch Schweden von der polnischen Ökokonversion profitieren.