BONN. - Ende vergangenen Monats hat sich die Bundesluftwaffe von einer ihrer bisher wichtigsten Aufgaben verabschiedet. Sie stellte ihre Unterstützung der UN-Mission zur Aufspürung und Vernichtung von Massenvernichtungswaffen und weitreichenden Raketen (Unscom) im Irak ein. Mehr als fünf Jahre lang haben deutsche Piloten mit ihren Hubschraubern und Transall-Maschinen wesentlich zum Erfolg des Unscom-Auftrages beigetragen, manchmal unter erheblicher Gefahr für Leib und Leben. Sie haben der Bundesrepublik mit ihrem Einsatz viel internationale Anerkennung verschafft. Um so bedauerlicher ist, daß die deutsche Unterstützung eingestellt wurde, bevor der Unscom-Auftrag erfüllt ist.

Unscom ist eine der bisher erfolgreichsten Missionen der Uno.

Anlagen zur Herstellung von atomaren und chemischen Kampfstoffen wurden vernichtet, erste Überwachungssysteme installiert, die garantieren sollen, daß im Irak keine neuen Massenvernichtungswaffen hergestellt werden. Die Arbeit von Unscom ist wegen der mangelhaften Kooperation der irakischen Regierung noch nicht abgeschlossen.

Vor allem bei den biologischen Waffen scheint noch einiges zu entdecken zu sein.

Die Bundesrepublik hat durch ihre Luftunterstützung seit 1991 wesentlich zum Erfolg von Unscom beigetragen. Allerdings trägt Deutschland auch ein gehöriges Maß an Schuld daran, daß Unscom notwendig wurde.

Die Rolle deutscher Firmen bei der Herstellung von chemischen Waffen im Irak ist hinlänglich bekannt. Die unzureichenden Vorschriften im Außenwirtschaftsrecht und dessen lasche administrative Umsetzung machten Mitte der achtziger Jahre Lieferungen von deutschen Materialien und Anlagen in den Irak möglich. Erst durch den Schaden wurde die Bundesregierung klug und hat die Exportkontrolle umgestellt.

Weniger bekannt ist, daß deutsche Lieferanten auch an der irakischen Entwicklung nuklearer Waffen und der Raketentechnologie führend beteiligt waren. Diese beunruhigende Tatsache geht aus den Berichten der UN-Inspektoren ebenso hervor wie aus detaillierten Auswertungen der bekanntgewordenen Geschäfte. Nach einer Aufstellung von Gary Milhollin und Diana L. Endsword für das renommierte Wisconsion Project on Nuclear Arms Control bezog der Irak die Hälfte seines Know-hows für nukleare und Raketenprogramme aus Deutschland.