Flugpassagiere können wieder ohne schlechtes Umweltgewissen in ihre Boeings und Airbusse einsteigen. Absolution erteilte ihnen und der Luftfahrtindustrie kein geringerer als Bundesforschungsminister Jürgen Rüttgers. Neueste Forschungsergebnisse, so der CDU-Politiker, machten sichtbar, "daß der zivile Luftverkehr nach den heute verfügbaren Daten keine nennenswerten Auswirkungen auf Klima und Ozonverteilung hat."

Rüttgers bezieht sich auf Untersuchungen der Deutschen Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DLR), die den Luftverkehr von dem Verdacht freisprechen, für gravierende Änderungen der Ozonkonzentration in der Atmosphäre verantwortlich zu sein. Die DLR-Wissenschaftler müssen aber zugleich eingestehen, daß sich die Stickoxidkonzentration, die mit dem Treibhauseffekt in Verbindung gebracht wird, in der üblichen Reiseflughöhe zwischen acht und zwölf Kilometern verdoppelt hat. Auf Abhilfe muß die Luftfahrtindustrie noch bis weit ins nächste Jahrtausend warten: Frühestens in fünfzehn Jahren sollen die ersten Triebwerke auf dem Markt sein, die 85 Prozent weniger Stickoxide ausstoßen.

Dennoch vermeldete die Süddeutsche Zeitung euphorisch: "Luftfahrt wird umweltfreundlicher". Flankiert werden die Untersuchungsergebnisse von Anzeigenkampagnen einiger Fluggesellschaften, die sich auf den verringerten Kerosinverbrauch der neuen Airbus-Modelle A 340 und A 330 beziehen. "3,7 l auf 100 km", titelte die Lufthansa stolz, und das deutsche Charterunternehmen LTU will, um einen Passagier hundert Kilometer zu befördern, gar mit drei Litern auskommen.

Die Absicht dieser Werbekampagnen ist klar: "Über den Energieverbrauch herrschen recht vage Vorstellungen, so daß wir dieses Thema überspitzt darstellen wollten", sagt der Umweltsprecher der Lufthansa, Axel Kleinschumacher. Minister Rüttgers lieferte noch eine forsche Formulierung nach: "Es sieht so aus, als hätten wir das ,Zweiliterflugzeug` früher als das von Greenpeace lautstark propagierte Dreiliterauto."

Solche Worte kommen Luftfahrtmanagern wie gerufen, befreien sie ihre Unternehmen doch von dem Ruch, Umweltsünder zu sein. Tatsächlich hat sich in Sachen Spritdurst in den letzten Jahren einiges getan: Die Lufthansa, nach Passagierzahlen die drittgrößte Fluggesellschaft der Welt, senkte ihren spezifischen Energieverbrauch im vergangenen Jahr von 5,5 auf 5,3 Liter. Lufthansa-Sprecher Christian Klick: "Wir heben uns positiv ab von anderen der Branche." Nach Schätzungen von Wissenschaftlern dürfte der Durchschnitt weltweit zwischen sechs und sieben Litern liegen, weil in vielen Ländern noch Spritsäufer aus den sechziger und siebziger Jahren im Einsatz sind.

Luftfahrtkritiker sind von den neuen Forschungsergebnissen weniger überwältigt: "Hier werden Nebelbomben geworfen", kritisiert Karl- Otto Schallaböck vom Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie.

"Es ist ein dummer Spruch, zu behaupten, Flugzeuge verbrauchten heute nur noch halb soviel Treibstoff wie vor dreißig Jahren.