Die Liaison hielt nur sieben Monate. Vergangene Woche zerplatzten alle Träume von einer gemeinsamen Zukunft. RWE und Viag hatten im Februar vereinbart, künftig gemeinsam mit British Telecom (BT) ein Triumvirat zu bilden. Daraus wird nun nichts: Überraschend wechselte RWE-Chef Dietmar Kuhnt den Partner - fortan will er mit Veba in den Milliardenmarkt der Telekommunikation einsteigen.

Der jüngste Coup wirft ein Schlaglicht auf das Gerangel im Zuge der Öffnung des Fernmeldemarktes, der noch weitgehend in der Hand der Deutschen Telekom ist. Das wird sich in gut einem Jahr ändern.

Denn von 1998 an herrscht nicht nur in der Bundesrepublik, sondern in ganz Europa beim Telephonieren Wettbewerb. Hierzulande kann dann jeder Kabel ziehen oder Tele-Dienste aller Art anbieten.

Seit dem geradezu revolutionären Beschluß der Bundesregierung geht es bei den potentiellen Konkurrenten des (noch) staatlichen Fernmelderiesen drunter und drüber. Kreuz und quer verbünden sich große Konzerne - und kommen sich dabei oft selbst in die Quere (siehe Kasten). Geschäftspläne und Allianzen werden ebenso schnell geschmiedet, wie sie sich wieder zerschlagen.

Stets geht es um dieselbe Frage: Wer hat mit wem die besten Chancen, dem Exmonopolisten künftig Paroli zu bieten? Je näher der Termin rückt, desto schärfer wird die Gangart der Wettbewerber. Mit Interventionen in Bonn und Klagen in Brüssel wollen sie die Marktmacht der Telekom stutzen. Kein Wunder: Milliarden müssen investiert werden, um der Industrie und den Bürgern eine echte Alternative bieten zu können. Der Einsatz ist hoch, das Risiko beträchtlich.

Kein Unternehmen traut sich deshalb, mit der vollen Angebotspalette dem Exmonopolisten bundesweit ganz allein ins Geschäft zu funken.

Rund ein Dutzend Großkonzerne aus dem In- und Ausland wollen den Einstieg zwar wagen, "doch jeder spricht mit jedem", ist unisono zu hören. Manchmal aber sind dabei Zusagen von gestern schon heute nichts mehr wert.