Alle Wege führen nach Rom - aber nur einer von Rom nach Maastricht.

Und der ist für Italien besonders mühevoll. Schließlich schleppt das Land allein fast ein Drittel aller europäischen Staatsschulden mit sich.

Die Regierung Romano Prodi hatte sich ursprünglich das letzte Wegstück zum Euro in bequemere Etappen aufgeteilt. Sie verabschiedete einen Dreijahresplan für Staatliche Wirtschafts- und Finanzentwicklung, nach dem die Neuverschuldung erst Ende 1998 den Beitrittsregeln für die Europawährung genügen würde: ein Jahr zu spät. Konjunkturverfall und Arbeitslosigkeit, so argumentierte die Regierung noch Anfang September, seien derart dramatisch, daß allzu harte Sparmaßnahmen und Steuerauflagen das Land ruinieren würden. "Ich will ein blühendes Italien nach Europa bringen und kein totes", gab Prodi die Richtung vor.

Zwar ist die Wirtschaftslage inzwischen noch schlechter geworden, und Italiens Konjunkturaussichten haben sich weiter verdüstert.

Dennoch präsentierte das Kabinett dem Parlament Ende September überraschend einen Entwurf, der drastische Steuererhöhungen vorsieht und die Sparmaßnahmen gegenüber dem bisherigen Konzept fast verdoppelt.

Sie erreichen den Riesenbetrag von 62,5 Billionen Lire (umgerechnet 62,5 Milliarden Mark) - weit mehr, als die Bonner Koalition mit ihrem 50-Milliarden-Programm den Bundesbürgern zumutet.

Der Grund für die abrupte Wende: Deutschland, Frankreich, aber auch Spanien und Portugal haben ihre Haushaltsentwürfe für 1997 bis an die Grenze des sozial- und konjunkturpolitisch Vertretbaren beschnitten, um alle Anforderungen für die Währungsunion rechtzeitig zu erfüllen. Italien, das bis heute noch keines der Maastricht-Kriterien erfüllt, hat die Entschlußkraft der Partner unterschätzt. Plötzlich fand sich das Land allein in der Gesellschaft von Griechenland, dem einzigen Staat, der noch weiter vom Eintritt zur Europäischen Währungsunion entfernt ist.