RTL, freitags: "Bruder Esel"

Ist es nur die sprechende Mimik von Dieter Pfaff, sind es nur die großen Augen seiner Partnerin Renate Krößner, die "Bruder Esel" aus dem Serien-Einerlei herausheben, oder hat es mehr damit auf sich? Der Stoff ist staubig und nicht mehr zeitgemäß, die gängige Seriendramaturgie wird nirgends durchbrochen, und die Klischees bleiben in Kraft. Und doch hat diese Familienserie etwas, was andre nicht haben.

Zum Stoff: Der Franziskanerpater Ludger verliebt sich in die Kneipenwirtin Theres, er verläßt das Kloster und hält um seine Traumfrau an.

Bei Theres erwarten den Pater drei Kinder und ein Untermieter, und auf dem Arbeitsmarkt gilt er - ein gelernter Musiklehrer - als kaum vermittelbar. Im Orden kümmerte sich keiner darum, daß Ludgers Leib - der eigenwillige "Bruder Esel" - einen enormen Umfang hat, aber draußen nennt die sechzehnjährige Wahltochter ihn "häßlich und dick". Mit alldem ist fertig zu werden. Bloß wie?

Es wird die Liebe sein müssen, die Ludger mit der Welt versöhnt, die Liebe zwischen ihm und Theres. Und wirklich, daß man als Zuschauer daran glaubt, ist schon ein kleines Fernsehwunder.

Die hübsche Mutter sieht man ja eher an der Seite eines flotteren Herrn das meint auch die große Tochter. Aber als sie es ausspricht: "So was Häßliches findest du immer noch", fängt sie sich eine Maulschelle ein. Theres, deren drei Kinder von drei verschiedenen Männern stammen, sucht was Verläßliches daß sie aber im Falle Ludger ihre erotischen Wünsche nicht aufgibt, sondern sie fast zu ihrer eigenen Überraschung gerade erfüllt sieht, das teilt sich dezent und überzeugend zwischen den Bildschirmzeilen mit.

Man erfährt, daß Begehren sich über Äußerlichkeiten hinwegsetzen kann - eine Botschaft, für die das Fernsehen sonst nicht gerade einsteht.