Der Bildband Eskimo von David Morrison und Georges-Hébert Germain (Frederking & Thaler, München 1996, 160 Seiten, 49,80 Mark) beschreibt das Leben und die traditionelle Kultur der Copper Inuit in den kanadischen Northwest Territories zu Beginn dieses Jahrhunderts.

Die beiden kanadischen Autoren stützen sich in erster Linie auf den neuseeländischen Völkerkundler Diamond Jenness, der sich zwischen 1914 und 1916 mit der Canadian Arctic Expedition bei den Copper Inuit aufhielt. Damals, so heißt es in der Legende einer historischen Aufnahme aus jener Zeit, hatten die Inuit "noch das ungebrochene Selbstvertrauen eines Volkes, das fähig war, für alle seine Wünsche und Bedürfnisse selbst aufzukommen".

Damit war es vorbei, als die Regierung in Ottawa, Pelzhändler der Hudson's Bay Company und anglikanische Missionare, um 1910 begannen, die Nomaden der Arktis zu christlichen Untertanen zu machen. Die Umerziehung, die erst in den sechziger Jahren endete, machte die Inuit abhängig von westlicher Technik, vom westlichen Wohlfahrtssystem, von westlicher Medizin - und nicht zuletzt vom Alkohol.

Der Bildband dokumentiert die faszinierenden Überlebenstechniken aus der Zeit vor dem Einzug der westlichen Zivilisation: den Bau von Schlitten und Schneehäusern, die Jagd auf Karibus und Robben oder die Herstellung der Kleidung. Viele der abgebildeten Werkzeuge, Jagdwaffen und Kleidungsstücke sind im Original im Canadian Museum of Civilization in Hull zu sehen. Als roter Faden zieht sich durch das sorgfältig gegliederte Buch die fiktive Liebesgeschichte von Kahina und Aluluk. Diese Episoden machen anschaulich, was der Kampf gegen Hunger, Kälte und Dunkelheit den Menschen am Rand der besiedelten Welt einst abverlangte.