Also, meiner Ansicht nach ist es Voodoo. Die HNO-Ärztin sagt zwar, es sei eine virale Laryngitis, aber meiner Ansicht nach ist es Voodoo. Ich habe nämlich, zum Schwerpunktthema der Frankfurter Buchmesse 1996 befragt, immer die alte, na ja, so alt ist sie vielleicht gar nicht, aber so ihre zwei, drei Wochen hat sie garantiert auf dem Puckel, die alte Geschichte ezählt, wie Brendan Behan im Gefängnis saß, und jeden Morgen haben ihm die Justizvollzugsbeamten eine Flasche Whiskey in die Zelle gestellt, mit der Auflage, sie auf natürlichem Wege wieder vollzumachen, und diese Flasche haben die Vollzugsbeamten dann mit einem satten Profi t als "Originalpisse von Brendan Behan" verkauft. "Ich weiß nicht", sage ich immer zum Schluß, "ob das bei uns mit Peter Rühmkorf klappen würde", nur daß ich statt Peter Rühmkorf einen anderen Namen sage (wahrscheinlich weil genau das bei uns mit Peter Rühmkorf klappen würde), und der Träger des anderen Namens beherrscht Voodoo und hat mir eine Virus-Infektion des Kehlkopfes an den eigens zu diesem Zweck angebrachten Hals gehext, so daß ich meine herbstliche Lesereise nicht antreten, was sag' ich, so daß ich sie nicht mal telephonisch abs agen kann, weil die Stimme weg ist. "Dann müssen Sie den Veranstaltern aber noch schriftlich absagen", sagt Herr Bitsche vom Haffmans Verlag.

"Wie denn sonst?" flüstere ich schwerstgenervt.

Die meisten Menschen verlieren auf der Frankfurter Buchmesse die Stimme, also etwa insgesamt fünf Prozent der Messebesucher oder, umgerechnet, dreißig Prozent aller Leute, die ich kenne und die auch da waren. Die haben aber nicht viel zu sagen, und man merkt es nicht.

Kanzler Kohl hat gesagt: "Ein Buch ist ein Freund." Ein irischer Redner hat gesagt: "A book is a shovel." Ich kann dazu nur sagen: Some of my best books are shovels, but I wouldn't want my daughter to marry one.

Am allerschönsten sind natürlich die Rundfunkinterviews. Der Interviewer fummelt an seiner Technik herum und hört deshalb die Antworten auf seine Fragen nicht man selbst sieht dem Interviewer gebannt beim Fummeln zu und kapiert deshalb die Fragen nicht der einzige, der richtig was davon hat, ist der Radiohörer dort draußen im Stau, aber der läßt sich nichts anmerken.

Oder die Interviewerin zerrt einen in das Kabuff, in dem es zwei Wasserhähne gibt, weil dort keine störende Akustik ist, und nun merkt man, daß es doch einen Unterschied zwischen Männern und Frauen gibt. Wenn eine Frau reinkommt, um Kaffeewasser zu holen, sagt sie: "Müßt ihr das hier drin machen? Rücksichtslos, so was."

Wenn ein Mann reinkommt, um Teewasser zu holen, sagt er, nachdem er den Akzent der Interviewerin bemerkt hat: "Ist das hier das offizielle ORF-Studio? Na ja, wir müssen alle sparen."