Wenn das Volk in seiner Unfreiheit nicht reden darf, dann muß es der Bischof tun", pflegt Carlos Felipe Belo, katholischer Bischof auf Osttimor, zu sagen. Für seine "unermüdlichen Bemühungen, eine friedliche Lösung für den Konflikt zu finden, der auf dem Selbstbestimmungsrecht des Volkes beruht", bekommt der mutige Bischof Belo zusammen mit José Ramos-Horta in diesem Jahr den Friedensnobelpreis. Ramos-Horta amtierte in der nur vierzehn Tage dauernden Unabhängigkeit als Außen- und Informationsminister der "Demokratischen Republik Osttimor".

Das war im November 1975.

Am 8. Dezember landeten indonesische Fallschirmjäger auf der Insel und annektierten sie. Seitdem herrscht dort ein Schreckensregiment.

Ein Drittel der rund 600 000 Osttimoresen sind gestorben: an Hunger, Seuchen, Folter, durch Exekutionen. Ein Massenmord, dessen Ausmaß an den Schlächter Pol Pot erinnert. Aber anders als im Falle Kambodschas nahm die Welt es ungerührt hin. Das mag sich jetzt ändern. Das Nobelpreiskomitee in Oslo hat schon mehrmals halt! gerufen, wenn Politik und Wirtschaft jeglichen Anstand vergessen und ihre lukrativen Geschäfte machen. Deshalb bekam der südafrikanische Bischof Tutu den Preis, deshalb auch Aung San Suu Kyi in Burma. Nun also Indonesien, wo "Menschenrechtsverletzungen systematisch und in atemberaubendem Ausmaß von einem Regime begangen werden, für das Massenmord keine Größe ist", wie amnesty international schreibt.

Mit Massenmorden begann auch der Aufstieg Präsident Suhartos und seiner unerbittlichen Militärs. Vor 31 Jahren wurden eine halbe Million Kommunisten und Oppositionelle umgebracht. Die gleiche Unerbittlichkeit legen die Herrschenden bis heute an den Tag.

Kritiker werden von der Armee, die besonders von Deutschland hochgerüstet wird, niederkartätscht. Aber das Potential des kommenden Wirtschaftsgiganten Indonesien macht die Außenwelt blind.

Kein Wunder, daß das hofierte Regime Suhartos verärgert auf den Nobelpreis reagiert. Man verstehe gar nicht, nach welchen Kriterien der vergeben werde. An den Bischof traut sich das Regime in Jakarta nicht heran die katholische Kirche steht hinter ihm. Aber Ramos-Horta wurde als Abenteurer und Kommunist geschmäht. Der 51jährige ehemalige Guerillakämpfer und heutige Politikprofessor reist seit dreißig Jahren für Osttimor durch die Welt. So dringt hinaus, was auf der Insel geschieht. Terror, Folter und Mord schüchtern das Volk ein. Ganze Familien werden ausgelöscht, vom Baby bis zur Großmutter, wenn sie "Verdächtige" verstecken oder ihre Jüngsten "Intifada" schreien. Dabei ist die linksgerichtete Unabhängigkeitsbewegung Fretilin mit rund tausend Mitgliedern nur noch ein Schatten ihrer selbst. Ihr Anführer Xanana Gusmao sitzt im Gefängnis. Ramos-Horta sagt, eigentlich hätte er den Preis bekommen müssen.