Tokio

Am Sonntag vor der japanischen Parlamentswahl drängen Menschenmassen aus Tokios größtem Bahnhof im Stadtteil Shinjuku. Auf der von Wolkenkratzern eingekeilten Straße erklingt die Mikrophonstimme des populären Parlamentsabgeordneten Banri Kaieda: "Staudämme und Golfplätze werden errichtet, über die nur Bürokraten entscheiden.

Nicht gewählte Politiker, sondern Bürokraten führen unser Land.

Die neue Demokratische Partei Japans sucht deshalb nach Wegen, das Bürokratenregime abzuschaffen."

Von der Bühne seines Kampagnenbusses redet Banri Kaieda auf die Tokioter ein. Der jungdynamisch wirkende 47jährige Abgeordnete ist ein Hoffnungsträger, Personifizierung des Generationswechsels in der japanischen Politik, ständiger Gast in den Talk-Shows.

Erscheinungsform: selbstbewußt, weltoffen, liberal.

Auf Kaiedas Kandidatur kommt es bei der kommenden Wahl an: Nehmen er und die anderen Jungstars der erst vor wenigen Wochen gegründeten Demokratischen Partei Japan (DPJ) der regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP) die Direktmandate in den großen Städten ab, wären sie stark genug, die LDP entweder in eine Koalition zu zwingen oder mit der Opposition zu regieren. "Wir wollen der Wind der Zukunft sein", verkünden DPJ-Flugblätter, die Studentinnen am Bahnhof verteilen.