Der Rheinfall von Schaffhausen: "Alles zusammen wirkt großartig, finster, schrecklich, wundervoll, unaussprechlich", schrieb Victor Hugo in seinem Reisebericht "Le Rhin". Ganz andere Empfindungen löste das Naturereignis bei dessen englischem Kollegen D. H. Lawrence aus: "Der Rheinfall von Schaffhausen mit dem Elektrizitätswerk in der Mitte und unten dem Hotel, mit seinem allgemeinen Kinoeffekt, ist abscheulich."

Doris und Dieter Schiller haben "Literarische Erkundungen rund um das Schwäbische Meer" unternommen und sind dabei auf eine Fülle von Gedichten und Romanen, von Novellen und Minneliedern, Biographien und geistlichen Texten gestoßen, die am Bodensee entstanden sind und in denen sich der See und die ihn umgebende Landschaft widerspiegeln.

Vier Reiserouten haben die Autoren in ihrem Buch zusammengestellt, so an den Überlinger See, wo wir Annette von Droste-Hülshoff begegnen und auch Ernst Jünger, in dessen Roman "Auf den Marmorklippen" Bodensee-Eindrücke zu finden sind. An den Obersee mit August Strindberg und Hölderlin, mit Wilhelm Raabe und Eduard Mörike, nach Konstanz und St. Gallen, literarisch bedeutend durch Johannes Hus und Conrad Ferdinand Meyer, schließlich der Untersee und die Insel Reichenau.

Martin Walser ist gleich mehrfach vertreten, und einer der schönsten Texte des Bandes ist Walsers Betrachtung über den nach seiner Einschätzung "größten Dichter des Bodensees", nämlich Martin Seuse, geboren im Jahre 1297: "Ich weiß nicht, ob ein Schriftsteller mit der Gegend, aus der er stammt, auch nichts zu tun haben könnte", überlegt Walser. "Aber von Seuse möchte ich behaupten, er sei ein Inbegriff der Gegend."

Ein hübsches Reise-Lese-Buch ist aus den unterschiedlichen Texten entstanden. Mit seinen zurückhaltenden Kommentaren, in denen manch reizvoller Spaziergang empfohlen wird, überläßt es den Leser beinahe ganz den Eindrücken der Literaten, die an den Bodensee gereist sind, dort gelebt haben oder noch leben.

Doris und Dieter Schiller:

Bodensee