Recht, aber nicht billig war bisher, was der erste Artikel aller italienischen Steuergesetze seit bald einem halben Jahrhundert verkündet: "Die Einkünfte des Präsidenten der Republik sind frei von Einkommensteuern." Dem guten 78jährigen Christdemokraten Oscar Luigi Scalfaro, der seit vier Jahren im Quirinal, dem prunkvollen Palast von Päpsten und Königen, residiert, wurde es nun buchstäblich zuviel. Wenigstens für sein Jahresgehalt von umgerechnet etwa 338 000 Mark möchte er Steuern zahlen in einer Zeit, wo von allen verlangt werde, "den Riemen enger zu schnallen". So schrieb er an den Regierungschef, nachdem er sich zwei Jahre lang vergebens beim Finanzminister bemüht hatte. Es ist eben nicht leicht, mit guten Beispielen schlechte Sitten zu verderben.