Der Bundesminister für Bildung und Forschung (BMBF) ist dabei, eine unverzichtbare wirtschaftswissenschaftliche und politische Informationsquelle zu verschütten. Vielleicht in bester Absicht, aber mit schlimmen Auswirkungen. Wer sich nämlich ein möglichst fundiertes Bild über Deutschlands Wirtschaft machen will, etwa wie lange der Aufholprozeß in den neuen Ländern noch dauert, der findet kaum eine sachverständigere Quelle als die sechs wirtschaftswissenschaftlichen Institute. Wenn Politiker und Professoren, Publizisten oder Journalisten Wert darauf legen, bei der Meinungsbildung über Euro, Stabilität, Arbeitslosigkeit, Löhne und Steuern nichts aus dem hohlen Bauch zu sagen, dann kommen sie nicht umhin, die entsprechenden Veröffentlichungen der Institute in Berlin, Hamburg, Essen, Kiel, Halle und München zu lesen.

Diese sechs Institute, ohne Frage von deutlich unterschiedlicher Qualität, sind von Politik, Verbänden, Gewerkschaften, Einzelinteressen so unabhängig wie eben möglich. Als Institutionen erhalten sie jährlich eine Summe von insgesamt 93 Millionen Mark, ohne daß damit irgendwelche inhaltlichen Auflagen verbunden wären. Einige der Institute nutzen ihr hohes Ansehen und erwirtschaften bis zu fünfzig Prozent ihres Budgets aus in- und ausländischen Aufträgen.

Sie machen sich dabei regelmäßig Konkurrenz und hängen beileibe nicht den gleichen Theorien und Weltanschauungen an. Eben dieser Wettbewerb dient der Information und aufgeklärten Urteilsbildung.

Im Gegensatz zu Forschungsinstituten oder Abteilungen von Verbänden, Banken, Gewerkschaften, der Bundesanstalt für Arbeit oder der Deutschen Bundesbank, die alle von Partialinteressen geleitet werden, äußern sich die sechs Institute aus gesamtwirtschaftlicher Sicht - aktuell und sachverständig. Mal rücken sie steuerliche Wünsche der Wirtschaft zurecht, mal klopfen sie die Lohnforderungen der Gewerkschaften auf ihre Verträglichkeit mit der Arbeitslosigkeit ab.

Auf der Hand liegt, daß keine Interessengruppe besonders motiviert ist, die sechs Institute mit Forschungsaufträgen zu beglücken.

Schließlich müssen sie damit rechnen, daß damit ihre eigenen (teuren) Versuche entwertet werden, interessenpolitische Gehirnwäsche zu betreiben. Die Institute leisten also jedes für sich und im harten Wettbewerb untereinander eine öffentliche Informations- und Beratungsarbeit, für die sich kaum ein Auftraggeber finden würde.

Der Einfall des Forschungsministeriums, die Mittel der Grundfinanzierung dieser Institute, die seit Jahren trotz zunehmender Beratungsarbeit nicht erhöht worden sind, künftig um fünf bis zwanzig Prozent zu kürzen, hat weitreichende Folgen: Die Institute werden qualifizierte Forscher und komplexe Datensysteme nicht weiter halten und pflegen können.