Peter Young ist vor kurzem wohl der prominenteste Small-cap-Manager Europas gewesen: Als Fondsverwalter des britischen Investmenthauses Morgan Grenfell investierte er riesige Summen in exotische, kleine Firmen. Aber: "Zu riskant", befanden zuletzt die Finanzaufsicht in London und die Konzernmutter Deutsche Bank. Young wurde gefeuert und ist heute arbeitslos.

Dabei setzen Dutzende von Investmentgesellschaften genauso wie Young auf winzige Gesellschaften. Unbekannte Unternehmen bieten nämlich nicht nur Risiken, sondern den Anlegern winken auch außergewöhnliche Gewinnchancen.

Zahlreiche solcher small capitalisation stocks, also gering kapitalisierte Aktien, sind auch im Reigen der rund tausend in Deutschland angebotenen Publikumsfonds zu finden. "Wir unterscheiden bei den Anlagewerten drei Welten", erklärt Josef Schopf vom Deutschen Investment-Trust (DIT), einer Tochter der Dresdner Bank. Nummer eins: Die großen Werte des Deutschen Aktienindex (Dax) wie Allianz, Daimler und Siemens. Vielen Fondsmanagern sind diese Standardtitel jedoch zu langweilig. Schon interessanter finden die Börsianer die Entwicklung bei den siebzig weniger großen Unternehmen im sogenannten M-Dax: Den Index hat die Deutsche Börse seit Februar eingeführt und damit das Interesse an diesen Gesellschaften erhöht. Nummer drei ist die Masse der noch kleineren, zumeist kaum bekannten Gesellschaften.

Wenn zum Beispiel die Frankfurter Privatbank Schröder, Münchmeyer, Hengst & Co (SMH) auf Small caps setzt, meint sie damit ausschließlich Unternehmen dieser "dritten Art" der Anlagewerte. Großzügiger ist dagegen die Definition bei Hypo Capital Management, das vom Herzogtum Luxemburg aus den deutschen Markt bedient. Deren Anlagestrategen meinen mit Small caps "überwiegend Aktien, die nicht als Standardwerte gelten". Im Hypo-Portefeuille für kleine Werte finden sich daher auch so geläufige Namen wie Boss, Beiersdorf oder die BHF-Bank.

Doch trotz solch unterschiedlicher Definitionen: Der Reiz der Small-cap-Fonds bleibt das Abenteuer. "Die Chance, bei kleineren Werten ein unbekanntes Potential zu entdecken, ist eben größer als im Dax-Bereich", sagt Analyst Schopf vom DIT. Wer die Chance nutzen will, muß früh aufstehen. Finanzfachmann Schopf ist kein Papiertiger: An seinem Schreibtisch in Frankfurt am Main sitzt er nur wenige Tage im Monat. Statt dessen ist Schopf unentwegt unterwegs, spricht mit den Vorständen und analysiert die Märkte.

Nicht selten betritt er dabei Neuland. Manchmal seien nur drei oder vier Analysten mit einem Unternehmen befaßt, berichtet der DIT-Mann. Aber das macht die Sache gerade spannend. Es locken große Gewinne, da sich häufig "ein enormes Nachholpotential gegenüber den Standardwerten aufgebaut" hat.

Die beliebtesten Branchen dieser Fondsmanager sind Konsumgüter, Handel, Maschinenbau, Versicherungen, Elektro, Chemie und der Bau. Allerdings schauen die Fondsverwalter weniger auf die Branchen als auf Einzeltitel - und da zur Zeit besonders auf eher unbekannte Titel. Gerade kleine und mittlere Unternehmen, so hoffen nicht nur die DIT-Experten, "sollten von der sich abzeichnenden konjunkturellen Erholung besonders profitieren".