Rund acht Prozent weniger deutsche Urlauber als erwartet sind in diesem Jahr nach Italien gefahren. Auslöser der Misere sind vor allem die teuren Nebenkosten. 1997 könnte es noch schlimmer kommen.

Die italienischen Probleme sind hausgemacht. Der Wechselkurs der Lira gegenüber der Mark hat sich in den vergangenen zwölf Monaten um sechzehn Prozent verschlechtert. Dadurch verteuerten sich die Kosten für Pizza und Pasta, für Hotels und Benzin erheblich.

Zudem erhöhten viele Hoteliers kräftig ihre Preise.

Untersuchungen italienischer Marktforscher belegen, daß zum Beispiel eine Woche Italienurlaub für vier Personen bei Unterkunft im Mittelklassehotel im vergangenen Sommer einschließlich Autoreisekosten mit insgesamt knapp 1500 Mark zu Buche schlug, in diesem Sommer aber fast 1900 Mark kostete - um die dreißig Prozent mehr.

Noch stärker als andere Regionen leidet die italienische Adriaküste unter der Zurückhaltung der Deutschen. Denn viele der in den Jahren des Bürgerkriegs im ehemaligen Jugoslawien nach Italien ausgewichenen Urlauber zog es in diesem Sommer zurück in die kroatischen Billigquartiere.

Dort kostet der gleiche Urlaub zur Zeit kaum ein Drittel von dem, was man in Italien dafür ausgeben müßte. "Badeurlaub ist in vielen anderen Ländern billiger als an der Adria", bestätigt Dietmar Malcharek vom Veranstalter DER-Tour.

Paradoxerweise freuen sich deutsche Reiseveranstalter sogar über steigende Buchungszahlen. Die meisten Pauschalreiseanbieter hatten frühzeitig, bevor die Lira auf den Devisenmärkten an Wert gewann, zum Niedrigkurs Hotelbetten und italienische Währung eingekauft.