Zweimal täglich knallt es im Innenhof des Messegeländes. Ein Mann im dunklen Anzug probt den Ernstfall und schleudert Molotowcocktails gegen eine Fensterscheibe. Es kracht, es brennt, aber das Glas hält. Test bestanden - der Hersteller aus Münster hat nichts anderes erwartet. Ein anderer Versuch in Halle 3: Dort wird Axel, ein Freiwilliger aus dem Messepublikum, mit Stemmeisen und Schraubenzieher ausgerüstet. Schafft er es, das aufgestellte Aluminiumfenster in drei Minuten zu knacken, bekommt er 10 000 Mark. Er schafft es nicht - der Hersteller aus Ingelheim hat nichts anderes erwartet.

Beeindruckend? Beeindruckend! Auf der Essener Security 96, der Messe für die gehobene Sicherheit, können Bürger und Gewerbetreibende umfassend aufrüsten. Keine Gefahr des Alltags, gegen die hier kein Schutzmittel zu bestellen wäre. Rauchmelder fürs Eigenheim in bunten Farben (Pink, Grün, Orange, Gelb), Blendstrahler und Sirenen gegen Langfinger, Videokameras zur Rundumüberwachung des Werksgeländes, ferner Briefbombenscanner, Wanzenspürgeräte, gepanzerte Geländewagen und Minendetektoren.

Wer durch die dreizehn Messehallen wandert, hier studiert und dort probiert, weiß anschließend nicht mehr, ob er sich absolut sicher oder höchst verfolgt fühlen soll. Braucht man das wirklich alles? Ein Schweizer Produzent offeriert Sicherheitstüren, dreifach selbstverriegelnd, eine Firma aus Südafrika bietet Stacheldraht in unterschiedlichsten Stärken. Ein Unternehmen aus dem süddeutschen Gundelfingen hat den Messeschlager entwickelt: das "Täterfangnetz".

Passiert ein Eindringling eine Infrarotschranke, explodiert aus einem versteckten Behälter ein reißfestes Netz. Das High-Tech-Produkt zur Fluchtverhinderung ist auch in tragbarer Ausführung lieferbar, für den Täterfang unterwegs sozusagen. Oder zur "Wirkzeitverlängerung" mit Zusatzfunktion: Dann spritzt es über den Ganoven noch eine Ladung Sekundenkleber, auf daß er sich um so fester in die Maschen verwickele.

Die Sicherheitsbranche blickt zufrieden in die Zukunft. Der Markt wächst und wächst. Insgesamt wurden 1995 fast siebzehn Milliarden Mark umgesetzt. Vor allem das Bedürfnis des Privatmannes nach Sicherheit sei größer denn je, sagt Hartmut König von der Messe Essen. Manche Leute seien heute fest entschlossen, sich "ihren persönlichen Bunker zu bauen".

Zeitungsberichte über Einbrecherbanden aus Osteuropa und immer gewalttätiger werdende Jugendliche haben viele Bürger verunsichert, bestätigt Jochen Kölbach vom Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen, das auf der Messe mit einem eigenen Stand vertreten ist. "Jeder weiß heute von jemandem zu erzählen, der Opfer eines Einbruchs geworden ist. Die Leute wollen sich schützen."

Die Polizei begrüßt das durchaus und hält ihrerseits Informationsschriften bereit: Stabile Fenster und Türen seien ratsam, Bewegungsmelder im Hauseingang und Zeitschaltuhren für die Wohnzimmerlampe, damit auch bei Abwesenheit Licht brennt. Je nach den Werten, die man in seinem Heim versammelt hat, vielleicht auch eine vom Fachmann montierte Alarmanlage.