Berlin

Zur "Quelle C." ist die Identität jenes Mannes verfremdet, den Sicherheitsbeamte auf ständig wechselnden Wegen in den Saal 700 des Berliner Kriminalgerichts eskortieren. Ein Zeuge, zum eigenen Schutz in ein Phantom verwandelt: Möglichst wenige sollen ihn sehen, keiner darf seinen Namen erfahren, und was er sagt, unterliegt einem gerichtlichen Schweigegebot. Für die deutsch-iranischen Beziehungen wird der ungewöhnliche Zeuge zur bedeutsamen Figur.

Quelle C. ist jener Informant, auf den sich der frühere iranische Staatspräsident Bani-Sadr stützte, als er im Berliner Mykonos-Prozeß die iranische Staatsführung der Urheberschaft an dem Anschlag bezichtigte, dem 1992 vier iranisch-kurdische Oppositionelle zum Opfer fielen.

Quelle C. hat dem Mullah-Regime jahrelang in einflußreicher Position gedient. Auf internationalem Parkett, so berichtet der Spiegel unter Berufung auf Geheimdienstberichte, galt C. als Irans Mann für diffizile Verhandlungen in Sachen Geisel- und Gefangenenaustausch.

Im Frühjahr 1996 flüchtete C., der aus dem Regierungsapparat ausgestiegen war, vor einem Mordkommando der Mullahs aus dem Iran.

Ende September hat die Bundesanwaltschaft den Aussteiger fünf Tage lang vernommen - so viel Zeit widmet man keinem Spinner.

Fünfzig Seiten umfaßt das Protokoll. Zwei Tage lang haben die Richter ihn vergangene Woche angehört - und sind noch nicht zu Ende. Die Bundesanwaltschaft sagt über den Zeugen nur soviel: "Der Eindruck von dem Zeugen ist, daß Herr Bani-Sadr vor Gericht nichts Falsches gesagt hat."