Die ganze Welt ist eine fortgesetzte Zumutung: Weckerklingeln, Kopfschmerzen, Falten, Problemzonen, Termingeschäfte, Bauchansätze, Burnout. Die ganze Welt? Nicht ganz. Unbeschadet aller Kostendämpfungsmaßnahmen gibt es sie noch, jene Refugien, in denen der Preis keine Rolle spielt und repariert wird, was durch unsachgemäßen Gebrauch oder Abnutzung Schäden an Leib und Seele hinterlassen hat.

Vor allem gibt es dazu jetzt den ultimativen Leitfaden, dem Ullstein Verlag sei Dank: die Neuerscheinung "Traumhotels für Fitness und Beauty", ein Prachtband, der überraschend viele Zielgruppen anspricht und den man vor allem als Standardwerk für Naßzellenarchitektur loben könnte. Der besondere Charme liegt in den fünfzig herrlichen Photographien hoteleigener Badegelegenheiten, mal mit, mal ohne Nixe. Als roter Faden zieht sich das Verwöhnaroma gechlorter Swimmingpools durch die 200 Seiten.

Aber auch wer wissen will, wo er in Bangkok "mit einer Jetlag-Massage fitgeknetet" oder wo ihm in der Schweiz das Körperfett per "Body Impedance Analyse" (ab 165 Franken) ausgelotet wird, muß diese neue Bibel für das "gezielte Schönerwerden" zwischen Biarritz und Boca Raton einfach haben.

Die Hitliste der fünfzig Herbergen plaudert jene Verstecke aus, in denen sich Deutschlands Manager verschlanken lassen können, nachdem sie ihre Firmen verschlankt haben. Denn auch bei den Herren der Schöpfung gelten Bierbäuche, Falten und Krähenfüße neuerdings als Makel, über die man sich bei Stehempfängen das Maul zerreißt und die sich im schlimmsten Fall gar als Beförderungshindernis auswirken können.

Diese neue Klientel frequentiert nebst Gattinnen beziehungsweise jungen Freundinnen natürlich nicht die klassischen Sanatorien, die schonungslos als "Außenlager der Rentenversicherungsanstalt" gegeißelt werden. Die Beauty- und Fitneßlaboratorien bleiben von jedem AOK-Stallgeruch verschont. Hier gönnt man sich noch seinen persönlichen Fitneßtrainer zum Stundensatz von 90 Mark oder die einwöchige Runderneuerung samt Bodypeeling, Lymphdrainage und Ganzkörper-Algenwrap für 4900 Mark.

"Dem Erlebnisbereich der Pflege von Körper und Seele sind so gut wie keine Grenzen gesetzt", heißt es vielversprechend. Angesichts dieser Sprachkraft wird unmittelbar einsichtig, warum der Autor, im Nebenberuf Redakteur einer namhaften deutschen Zeitung, mit dem Reportagepreis der Stadt Detroit ausgezeichnet wurde. Sätze wie Perlen, die auch den literaturverwöhnten Leser in ihren Bann ziehen: "Dann wird der Neuankömmling einen Spaziergang machen, aber vielleicht nicht sogleich die neun Hektar des hoteleigenen Pinienwaldes durchmessen. Dort kann er noch dem Zirpen der Grillen folgen und sich die Tennisplätze ansehen und den Hundefriedhof mit seinen Grabinschriften."

Zudem imponiert das Buch als feinsandige Oase des gepflegten Adjektivs: Hier wimmelt es von "erstklassig sortierten Getränken", "sattgrünen Dattelpalmen", "vollausgebildeten Sportlehrern", "ausgetüftelten Fitneßtagen" oder - quasi als superlativster Genußgipfel - von "komplettesten Resorts". Eine halbe Hundertschaft feiner und feinster Adressen in allen Erdteilen trägt dieser bemerkenswerte Band zusammen, aber eine wurde bedauerlicherweise vergessen: Die Wahrheit über den Berghof in Davos müssen wir auch künftig bei Thomas Mann nachlesen.