Reiseführerverlage pflegen Skandinavien eher stiefmütterlich zu behandeln. Das hat sich jetzt zumindest für Dänemark geändert: Gleich vier Neuerscheinungen widmen sich dem nördlichen Nachbarland, in dem 1995 knapp zwei Millionen Deutsche ihren Urlaub verbrachten.

Zwei dieser neuen Führer hat der Skandinavienkenner Hans Klüche beigesteuert: In der Reihe "Richtig Reisen" widmet er sich dem ganzen Land (Dänemark, DuMont-Verlag, Köln 1996, 400 Seiten 39,80 Mark), im Band Jütland (Edition Erde, Nürnberg 1996, 420 Seiten, 39,80 Mark) beschränkt er sich auf den festländischen Teil des Königreichs.

Klüches zwei Bände sind unter den Neuerscheinungen offenbar die aktuellsten: Nur sie stellen die neue Monumentalskulptur "Mennesker ved Havet" von Svend Wiig Hansen am Strand von Esbjerg vor. In seinem Führer über die Halbinsel Jütland lädt Klüche die Leser dazu ein, ihre idyllischen, aber abgelegenen Ferienhaussiedlungen an der Nordseeküste zu verlassen und das Land zwischen Tondern und "Kontinentaleuropas Zipfelmütze" Skagen vor allem unter kulturellen Aspekten zu entdecken. "Bisher haben - anders als Schweizer und Österreicher - erst wenige deutsche Urlauber Jütland als Rundreiseland entdeckt." Klüche empfiehlt beispielsweise die interessanten Sammlungen der Künstlergruppe Cobra in lborg und Holstebro oder das von Gorbatschow spendierte russische U-Boot in Kolding, das gegenwärtig als Kneipe dient und demnächst unter Anleitung des französischen Malers Dewasne zu einem Kunstwerk werden soll.

Das Buch ist eine ebenso spannend wie kompetent geschriebene Landeskunde über Jütland, geizt aber mit Hinweisen auf Nachtquartiere, Restaurants und Geschäfte. Dafür enthält der Band als einziger der hier besprochenen Reiseführer ein kommentiertes Kapitel mit weiterführender Literatur.

Ebenso engagiert, aber knapper in den Informationen ist Klüches Dänemarkführer im DuMont-Verlag. Auch dieser Band ist bemüht, Klischees vom Land der Legosteine und des smörrebröd beiseite zu räumen. So präsentiert das Kapitel "Über den Mißbrauch an H.

C. Andersen" den berühmten dänischen Autor bewußt nicht als "Werbeträger eines idyllischen Dänemark", sondern als widersprüchlichen Künstler, dessen Werk wesentlich vielfältiger ist, als seine berühmten Märchen vermuten lassen. Auch die Präsentation des "Freistaats Christiania" mitten in Kopenhagen ist diesem Führer vier Seiten wert.

Dagegen wird dieses soziale Experiment, das für das liberale Land durchaus charakteristisch ist, im Band Dänemark (von Dirk Schröder und Jacob Hansen, Gräfe & Unzer Verlag, München 1996, 360 Seiten, 39,80 Mark) nur mit wenigen Zeilen erwähnt. Das Buch aus der Reihe "Merian XL" ist die modernste, aber auch oberflächlichste Neuerscheinung.