Das Licht war gesetzt, dann zog die Photographin sich zurück.

Der Plan war: warten, bis die Frau eingeschlafen ist. Nach zwei oder drei Stunden wurde photographiert. Das Ergebnis - drei Frauen, drei Nächte - zeigt Birgit Kleber in einer Ausstellung in Berlin.

Das "Photoschlafen" ist eine von Klebers Methoden, von ihren weiblichen Modellen etwas zu bekommen, was sonst unsichtbar bleibt. Eine andere Methode lief auf eine Serie von fünf Bildern hinaus, in denen Frauen ihre Nacken zeigen - langhaarige Frauen. Die Entblößung ist gering, der Effekt erstaunlich vielleicht, weil die Photographin den Schulteransatz mit abbildet, so daß der Nacken wie eine Landzunge erscheint. Diese Bilder von Birgit Kleber richten sich gegen das Klischee einer archaischen Frau, indem sie es ungelenk zitieren.

Klebers Publikum treibt gelegentlich Furcht um: "Findest du eigentlich noch Modelle?" Ein Triptychon, das eine Frau Ende Siebzig in unpathetischer Weise nackt zeigt, brachte ihr Haßbriefe von Männern ein.

Es geht der Photographin nicht darum, Klischees von Schönheit mit einer Ästhetik des Häßlichen zu beantworten. Sie ist auf der Suche nach einem Terrain, das noch nicht okkupiert ist. Ihre "Frauen im Hotel" (1993) waren eine überzeugende Übung in erotischem Understatement.

Eine der neuen Arbeiten heißt "Verlorenes Profil" und meint jenen Moment, in dem das Profil durch Abwendung seine Linie einbüßt.

Ihre Arbeit bringt auf Distanz, was sie uns zeigt - so, wie wenn man ein Fernglas umdreht.