Völlig verkneifen wollten sich die französischen Meinungsführer ihr Triumphgefühl nach Deutschlands Ja-Wort zur Einheitswährung nicht. Schließlich sollte Frankreich nach dem Vertrag von Maastricht ab 1999 an der geldpolitischen Macht teilhaben, die bislang allein in deutscher Hand liegt. So schien das vereinte Deutschland fest in Europa eingebunden, eine Vormachtstellung vermieden. "Ein sehr schöner Sieg für die französischen Diplomaten und Bankiers", jubelten deshalb 1993 Ökonomieprofessor Charles Wyplosz und Wirtschaftsreporter Pascal Riché in ihrem Buch "Die Europäische Wäh-rungsunion".

Die Siegerlaune ist verflogen. Journalist Riché macht derzeit mit einem Buch Furore, das Frankreichs Geldpolitik aus Deutschland ferngesteuert sieht. Und Wyplosz kämpft inzwischen in verbitterten Kommentaren gegen die "exzessiven Garantien", die Deutschland seinen Partnern auf dem Weg zur Einheitswährung immer wieder abpresse.

Auch sonst wächst das Unbehagen über den Vorlauf zur Währungsunion.

Die bange Frage: Wird Frankreich zwangsgermanisiert, um sich für das Einheitsgeld zu qualifizieren?

Immer öfter muß sich die Regierung des Vorwurfs erwehren, bei allen publikumswirksamen Euro-Beschlüssen vor deutschen Forderungen kapituliert zu haben. So hätten die Franzosen auf germanisches Drängen hin mit der Unabhängigkeit der Notenbank einen Fremdkörper in ihre Verfassung aufgenommen, die eigentlich alle Macht in die Hände des direkt gewählten Staatspräsidenten lege. Gegen den Willen Frankreichs habe die Bundesregierung durchgeboxt, daß mit Frankfurt der Sitz der Deutschen Bundesbank auch zur Heimat der künftigen Europäischen Zentralbank wird. Das Einheitsgeld, das mit Ecu bereits einen Namen hatte, sei auf Bonner Drängen hin und gegen Pariser Widerstand in Euro umbenannt worden.

Das Faß zum Überlaufen brachte jedoch der Vorschlag von Finanzminister Theo Waigel, über einen Stabilitätspakt mit strengen Defizitgrenzen und automatischen Strafen bei deren Überschreiten die Haushaltsdisziplin der Euro-Mitglieder dauerhaft zu sichern. Als die fünfzehn Finanzminister der Europäischen Union (EU) die Grundzüge des Plans Ende September annahmen, reagierte die französische Presse ungewohnt feindselig.

Waigel, der "Zar der deutschen Finanzen", habe sich auf der ganzen Linie durchgesetzt, kommentierte die sonst europafreundliche Tageszeitung Le Monde. Die von Minderwertigkeitskomplexen geplagte französische Führung habe die deutsche Position wieder einmal ohne Gegenleistung übernommen. "Ein schöner deutscher Sieg", urteilte das Weltblatt.