"Die Österreicher sind ein Volk völliger

Gleichgültigkeit / gegenüber ihren

katastrophalen Zuständen geworden / das ist

ihr Unglück das ist ihre Katastrophe"

Aus "Heldenplatz" von Thomas Bernhard

Am Abend vor der "Katastrophe" brachte das Wiener Burgtheater die 101. Aufführung von Thomas Bernhards furiosem Heldenplatz, wie immer vor nahezu ausverkauftem Haus. Ein leid- und haßerfülltes Stück über die Wiener und die Österreicher: "Sechseinhalb Millionen Alleingelassene, die ununterbrochen aus vollem Hals nach einem Regisseur schreien", läßt darin der zornige Dichter seine Hauptfigur schimpfen. Die prophezeit dann: "Der Regisseur wird kommen / und sie endgültig in den Abgrund hinunterstoßen." In der Schlußszene hört man den vom ominösen Platz her anschwellenden Sprechchor des Mobs, der Vorhang fällt.

Am nächsten Tag bebte in Österreich die Erde auf der politischen Bühne schwankten die vertrauten Kulissen die Säulenheiligen der Republik bröckelten: Wahltag. Und nachdem der Burg-Direktor am Montag nach dem antieuropäischen Triumph des rechten Volkstribunen Haider vor Journalisten und einer ORF-Kamera Entsprechendes aus dem "Heldenplatz" zitiert hatte - um zu zeigen, wie prophetisch Theater sein kann -, stand tags darauf das Telephon nicht still.