Die schöne Botschaft relativierte das Bundesarbeitsministerium lieber gleich selbst. Da haben die Ämter im vergangenen Jahr nur noch 274 000 Fälle von "Leistungsmißbrauch in der Arbeitslosenversicherung" festgestellt, fast 130 000 weniger als in den zwölf Monaten zuvor.

Doch - simple Erkenntnis - die wahre Zahl derer, die illegal Stütze kassieren, "entzieht sich ihrem Wesen nach einer statistischen Erfassung". Womöglich gingen die Missetäter einfach noch trickreicher vor als früher.

Ob Mißbrauch von Sozialleistungen, illegale Beschäftigung oder Steuerhinterziehung, stets tut sich dasselbe Problem auf: Der tatsächliche Schaden, der den öffentlichen Kassen entsteht, bleibt im dunkeln. So beläuft sich zwar die Summe der Sozialleistungen, bei denen die Bundesanstalt für Arbeit im vergangenen Jahr Mißbrauch nachweisen konnte, auf rund 400 Millionen Mark. Grobe Schätzungen besagen allerdings, daß Finanzämtern und Sozialkassen durch Schwarzarbeit Jahr für Jahr insgesamt 50 Milliarden Mark verlorengehen - mal werden Leistungen kassiert, obwohl gar kein Anspruch besteht, mal drücken sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber ums Zahlen herum.

Während Minister Norbert Blüm hofft, in der neuerdings rückläufigen Zahl aufgedeckter Mißbrauchsfälle zeige sich eine "abschreckende Wirkung" verschärfter Kontrollen durch die Arbeitsämter, kommen Wirtschaftswissenschaftler zu weniger verheißungsvollen Ergebnissen.

Was den Gesamtumfang der Schwarzarbeit im Lande betrifft, könne von einem Rückgang jedenfalls keine Rede sein, konstatiert Friedrich Schneider, Ökonomieprofessor mit Spezialfach Schattenwirtschaft im österreichischen Linz.

Nach Schneiders Berechnungen ist der Umfang der Schwarzarbeit in Deutschland allein in den vergangenen drei Jahren um mehr als zehn Prozent gewachsen. Von 430 Milliarden Mark 1994 dürfte der Wert der Arbeit, die steuer- und abgabenfrei vergolten wird, in diesem Jahr auf 480 Milliarden steigen das entspricht einem Anteil von mehr als 14 Prozent an der offiziell ausgewiesenen Wirtschaftsleistung.

Im Gegensatz zu den amtlichen Statistikern untersucht Schneider den Bargeldumlauf der Volkswirtschaft, um Daten über die Schwarzarbeit zu gewinnen. Die Überlegung dahinter: Der Lohn für illegale Beschäftigung wird überwiegend in bar ausgezahlt, weil das keine Spuren in Akten und Bankauszügen hinterläßt.