Wer im Internet über den Dienst von Mark Grant stolpert, dürfte sich die Augen reiben: Da werden "Cyberbucks" gehandelt, virtuelle Dollars für die Einkaufstour im Netz. Der nichtamtliche Mittelkurs steht derzeit bei einem digitalen Dollar für fünf reale.

"Wir wollten aus den Cyberbucks, ursprünglich nur Spielgeld, eine richtige Währung machen", sagt Grant, ein britischer Computerexperte. In ein paar Nächten bastelte er Ende 1994 das Programm für seinen inoffiziellen Devisenmarkt zusammen.

Nur die interessante Spielerei eines Internet-Freaks? Aus heutiger Sicht zweifellos. Aber wer weiß, was der heftige Wettkampf bringt, den derzeit das Internet erlebt? First Virtual, Visa, Mastercard, CyberCash, DigiCash oder Mondex - gleich im Dutzend strengen sich Unternehmen und Organisationen an, Bargeld in Bits und Bytes zu verwandeln.

Gegen Ende des Jahres wird auch die Deutsche Bank damit beginnen, elektronische Münzen zu prägen - in einem Pilotprojekt zusammen mit DigiCash . Etwa tausend Kunden des Frankfurter Geldhauses können sich dann von einem speziellen Konto über ihr Modem maximal vierhundert digitale Mark in beliebiger Stückelung auf ihre Festplatte laden.

Den Siegern dieses Wettbewerbs winken fette Gewinne, falls das vielgepriesene Online-Shopping einmal in Gang kommt (siehe Artikel unten). Wer dann die Zahlungsmittel im Netz kontrolliert, hat es gut. Er könnte etwa Zinsen für das elektronische Geld auf seinen Konten kassieren oder gar eine Benutzungsgebühr dafür verlangen.

Welches Geld sich in der Netzwelt durchsetzt, hat freilich auch weitreichende Folgen im realen Leben. Wird der Verbraucher vollends zum gläsernen Wesen? Verlieren die Zentralbanken vor lauter elektronischem Geld endgültig die Kontrolle über die Geldmenge? Wozu dienen überhaupt noch Banken, wenn man das Girokonto ebenso auf dem eigenen PC führen kann?