Sie wirbelt durch den Berufsalltag, und ihr Deo übersteht mühelos auch jede durchtanzte Nacht. Als Bankerin empfiehlt sie immer gut gelaunt und kompetent die besten Geldanlagen. Als attraktive Journalistin sendet sie direkt aus dem Kinderzimmer ihre Leitartikel an die Redaktion - die eine Hand am Computer, die andere an der Wiege. Geht es nach der Werbung, dann hat es die Frau in den Neunzigern geschafft. Sie steht voll im Leben und bewältigt mühelos die drei modernen Ks - Kinder, Küche, Karriere.

Redaktionen schmücken sich mit jungen Kolleginnen, die aus Krisenregionen berichten, Talk-Shows und Politmagazine moderieren. In Vorabendserien agieren knallharte Staatsanwältinnen und verantwortungsbewußte Ärztinnen. Und selbst im richtigen Leben wird alle Jahre wieder die Unternehmerin des Jahres gekürt. Trendforscher wie John Naisbitt oder Faith Popcorn schwärmen vom Megatrend Frauen, vom Coming-out weiblicher Talente, vom Siegeszug kommunikativer und darum ach so fraulicher Führungsstile, von dynamischen Teamleiterinnen: Frauen, die ohne Ideologie und lila Latzhose ihren Weg nach oben gehen - und doch ganz Frau bleiben.

Zum Beispiel Astrid Habig. Die Überfliegerin schließt ihr Betriebswirtschaftsexamen in der Schweiz mit der zweitbesten Note ab, die die Uni je vergeben hat, bleibt als Assistentin am Lehrstuhl und wird promoviert. Sie heiratet, arbeitet dann bei Hewlett-Packard im Vertrieb. Mit 34 wird sie in den Aufsichtsrat gewählt - als einzige Frau und übernimmt den stellvertretenden Vorsitz.

Nach dem Wechsel zum Pharma-Unternehmen Merz wird sie Direktorin, natürlich wieder als erste Frau in dieser Position. "Ich war sehr leistungsorientiert und wurde durch meinen Mann stets unterstützt", sagt Astrid Habig. Sie hatte Erfolg, und ihr wurde ein Vierjahresvertrag angeboten. Alles stimmte, dem Weg nach oben schienen keine Grenzen gesetzt. Doch dann wurde sie schwanger. Nicht ungewollt, aber unerwartet, denn als Vierzigjährige hatte sie die Hoffnung auf ein eigenes Kind schon beinahe aufgegeben. Und damit war ihre Karriere vorerst zu Ende, der rasante Aufstieg vorbei.

In Wirklichkeit haben es Frauen nicht geschafft. Unklar ist, wie stark die Rezession von 1993 und 1994 dazu beigetragen hat. Jedenfalls hat sie den Tatbestand offenkundig gemacht. Über zwei Jahrzehnte nachdem Alice Schwarzer dazu aufrief, "verstärkt in Männerdomänen einzudringen", sitzen Frauen immer noch mehrheitlich als Sekretärinnen oder Sachbearbeiterinnen in Vorzimmern männlicher Entscheidungsträger. Davon, die Hälfte der Macht zu übernehmen, sind Frauen - allen Trendforschern zum Trotz - nicht nur meilenweit entfernt. Immer häufiger ist jetzt auch vom Rollback zu hören: Der Umbau der Gesellschaft, die Auswirkungen von Downsizing und Globalisierung treffen Frauen, die Ansprüche der siebziger Jahre verschwinden langsam, aber sicher in weite Ferne.

In der Krise sind Männer gefragt - das läßt sich auch empirisch belegen. Der Hamburger Wirtschaftswissenschaftler Michel Domsch wertet regelmäßig Stellenanzeigen aus dem ganzen Bundesgebiet aus, und er kommt zu dem Fazit: "Seit Beginn der Rezession nimmt die Diskriminierung zu. Gerade drei Prozent aller Anzeigen sprechen ausschließlich Frauen an, immerhin dreißig Prozent ausschließlich Männer." Zwar schreibt das Gesetz vor, Stellen neutral auszuschreiben. Doch das kümmert Inserenten wenig. Je wichtiger die Positionen, desto deutlicher geben die Arbeitgeber zu verstehen, daß sie Bewerbungen von Frauen nicht interessieren. Für die oberen Führungspositionen ist gerade die Hälfte aller Stellenanzeigen neutral formuliert.