Noch umgibt uns eine Landschaft mit Mühlen und Kleingewerbe, Zechen und Hochöfen, Elektrizitätszentralen und Industriebetrieben.

Daß diese Objekte immer mehr in das Blickfeld touristischer Interessen rücken, ist sicherlich auch das Ergebnis bundesweiter Aktionen wie etwa des Tags des offenen Denkmals (European Heritage Days), an dem historische Industrieobjekte die gleiche Beachtung finden wie traditionelle Baudenkmäler. Andererseits müssen es nicht immer gleich Monumente, Denkmäler, Industriestraßen und Museumsdörfer sein, die als Beweise für das Ende des Industriezeitalters herhalten sollen.

Die beiden folgenden regionalen, industriegeschichtlichen Wegweiser sind umfangreiche, großformatige Dokumentationen des industrie- und technikgeschichtlichen Erbes. Darin werden zwei etwa gleich große Grenzregionen unter ähnlichen Gesichtspunkten nach ihrer technischen Vergangenheit untersucht, nämlich die Niederlausitz und das Saarland.

Der Band des Technikhistorikers Günter Bayerl, eine Morgengabe des neugegründeten Lehrstuhls der Universität an die Stadt Cottbus, ist vorbildlich gelungen. Der Autor hat den Inhalt in zehn thematisch homogene Rundgänge durch die Stadt und ihre Umgebung gegliedert.

Die stellenweise ein wenig knapp gehaltenen Angaben zu den erwähnten Bauten werden durch Informationskästen zur allgemeinen Geschichte der jeweiligen Produktionstechnik aufgewogen. Den Kapiteln Handwerk, Mühlenwesen, Industrie, Verkehr und modernes Bauen folgt ein Ausflug in die hart an der polnischen Grenze gelegene Textilstadt Forst.

Ein Kapitel ist den gigantischen Braunkohlegruben der Laubag (Lausitzer Braunkohle AG) gewidmet und den landschaftlichen sowie ökologischen Folgen, die sie hinterließen. Wer diese Tour zu Fuß geht, kann vermutlich als wüstentauglich gelten.

Der vom staatlichen Konservatoramt Saarbrücken herausgegebene zweisprachige Wegweiser zur Industriestraße Saar-Lor-Lux konzentriert sich dagegen mehr auf die herausragenden Denkmäler vor allem der prägenden Schwerindustrie und des Steinkohlebergbaus. Der Reiseführer, der kürzlich in einer zweiten Auflage erschien, ist geographisch entlang einer einzigen Tour gegliedert, so daß die Objekte unterschiedlicher Produktionstechnik aufeinanderfolgen. Mit Hilfe eines Registers lassen sich jedoch auch hier themenspezifische Ausflüge zusammenstellen.