Irgendwie scheint der gute Theo Waigel, Finanzminister in Bonn, ob des Durcheinanders in der Steuerpolitik allmählich den Überblick zu verlieren. Nach der Lektüre der "Bonner Kulisse" (ZEIT Nr.

41/1996) über neue Gemeinnützigkeitsvorschriften für Golfer ließ der Minister über seine Pressestelle mitteilen, daß "Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel nie mit einem Erlaß befaßt (war), der Golfclubs Erleichterungen bei der Anerkennung ihrer Gemeinnützigkeit verschafft".

Nun hat aber sein Ministerialdirigent Viktor Sarazin - doch wohl im Auftrag des Ministers - mit Briefkopf "Bundesministerium der Finanzen", die Obersten Finanzbehörden der Länder im "Bundessteuerblatt 1996, Teil I, Nr. 2" wissen lassen, daß neue "Höchstgrenzen für Mitgliedsbeiträge und Aufnahmegebühren bei Sportvereinen" eingeführt seien. Die neuen Grenzen, nach denen die Sportgemeinnützigkeit anders als bisher auch noch bei Investitionsumlagen von 10 000 Mark je Mitglied erhalten bleibt, gelten natürlich für alle Sportvereine.

Aber: Als die Neuerung im Rechnungsprüfungsausschuß des Bundestages erörtert wurde, bezog sich Waigels Staatssekretär Hansgeorg Hauser ausdrücklich auf Golfer. Er sagte sogar, daß "die Kosten für Golfclubs in der Tat sehr hoch" seien. Und Ministerialrat Jörg Bublitz vom Bundesrechnungshof ergänzte, "die Investitionsumlage sei ein Versuch, den Golfclubs entgegenzukommen". Alles, was in seinem Haus vorgeht und was jeder so redet und schreibt, muß Waigel sicher nicht wissen.

Damit ist er jedoch nicht automatisch auch die Verantwortung los.

Gerade die aber hatte SPD-MdB Dieter Grasedieck gemeint, als er den Sportvereinserlaß der Regierung mit der süffisanten Bemerkung "ein Herz für Golfer - statt für Kinder" kommentierte.

Eigentlich ist nur von lokaler Bedeutung, daß in der Bauhaus-Stadt Dessau ein denkmalgeschütztes Stadtteilchen, das sogenannte Gasviertel, plattgemacht werden soll, damit sich dort das zum Umzug verdammte Berliner Umweltbundesamt (UBA) ansiedeln kann. Im Umgang der Westler mit den Ostlern ist der Fall jedoch exemplarisch und damit von überregionalem Interesse. Daher in aller Kürze: Obwohl das Viertel, das als Wiege der deutschen Gasindustrie Geschichte geschrieben hat, großenteils unter Denkmalsschutz steht, pochen Finanzminister und Bauminister in Bonn, die Magdeburger Oberfinanzdirektion und das Berliner Umweltbundesamt auf Abriß.