Jahre hielt das Geheimnis, das aus dem Gebräu eines obskuren Drogisten in Atlanta das weltweit erfolgreichste Getränk des 20. Jahrhunderts und aus einem kleinen Limo-Vertrieb den riesigen Coca-Cola-Konzern machte. Jetzt aber droht Verrat: Der verarmte Großenkel von Firmenmitgründer Frank Robinson hat angekündigt, das originäre Cola-Rezept aus dem Jahr 1886 versteigern zu wollen. Robinson Junior gibt vor, einen vergilbten Zettel zu besitzen, auf dem sein Urgroßvater mit Bleistift alle Zutaten für die braune Limonade aufgeschrieben habe. Er besitze das Original, sagt der 57jährige ehemalige Jet-Pilot, Porsche-Fahrer und Bonvivant, von dessen Millionenerbe nach Familienkrächen und fehlgeschlagenen Immobiliengeschäften kaum noch etwas übrig ist.

Wirklich? In der Cola-Konzernzentrale in Atlanta wird abgewiegelt.

Behauptungen wie die Robinsons habe es in der Firmengeschichte dutzendfach gegeben, meint Unternehmenssprecher Rob Baskin. Tatsächlich wurde erstmals schon 1905 in einer Zeitungsanzeige versucht, "das Originalrezept" für fünfzig Dollar zu verkaufen. Bis heute hat es allerdings kein Konkurrent geschafft, das Coke-Aroma wirklich nachzuahmen. Nur eine Handvoll Führungskräfte des Konzerns kennen die Rezeptur, deren einzige Urschrift angeblich in einem Bankschließfach in der City von Atlanta aufbewahrt wird.

Freilich ist Robinson nicht irgendwer, sondern das erste Familienmitglied der Cola-Gründerväter, das die berühmte Mixturverkaufen will.

Robinson Senior war der Buchhalter des Coke-Erfinders John Pembleton und verantwortlich sowohl für den Namen des Getränks wie auch für das bis heute gültige Coca-Cola-Logo. Daß er Abschriften des Rezepts gemacht haben könnte, die sich nun in den Händen seiner Erben befinden, ist also durchaus möglich.

Vor einer Überprüfung des vermeintlich 110 Jahre alten Dokuments und seiner möglichen Versteigerung steht allerdings Robinsons getrennt lebende Frau Patti. Die behauptet, der Zettel sei ein Hochzeitsgeschenk ihres Mannes gewesen und stemmt sich gegen den Verkauf. Außerdem nutzte Patti im vergangenen Sommer angeblich das Robinson-Rezept, um mit Hilfe des Braumeisters Michael Chavez in Montgomery/Alabama eigenhändig eine Limonade zusammenzumischen.

Herausgekommen sei ein Gebräu, das mit "der Cola, so wie wir sie kennen, nicht viel gemein hat", sagt Chavez.