Der Ort: Eisenacherstraße 9, Stadtteil Schöneberg, in der Nähe des Nollendorfplatzes, Haus Nr. 7. Ein schmuckloses Haus. Man erwartet nicht viel von solchen Orten nichts ist einladend, das Äußerliche verhindert, daß man genauer hinschaut. Aber bei Nr.

7 wäre das schade. Denn hinter der bescheidenen Anschrift "Olaf Lemke, Rahmen und Antiquitäten" verbirgt sich die größte Sammlung antiker Rahmen, die es hierzulande gibt, und ein einzigartiger Betrieb. Weltweit gibt es nur rund zwanzig Galerien, die sich auf dieses Gebiet spezialisiert haben.

2500 Rahmen vom 15. Jahrhundert bis zum 19. Jahrhundert, Rahmen aus der Renaissance und aus dem Klassizismus, Rahmen aus dem Barock, Rahmen aus dem Rokoko und aus der Biedermeierzeit. Rahmen aus Spanien, Flandern, Deutschland, Venedig und Frankreich. Die jüngsten Stücke stammen aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts. Ab 1830 wurden Rahmen maschinell produziert, und was von da an bis heute gefertigt worden ist, sucht man hier vergebens.

Olaf Lemke zeigt sein Reich, 360 Quadratmeter. "Alles, was Sie hier sehen, ist für den Verkauf bestimmt. Man hat die innerliche Trennung von seinen Dingen vollzogen. Und was einmal hängt, soll auch verkauft werden. Sonst wäre man ein schlechter Kaufmann und Händler."

Der Laden mit den weißen Wänden. Rahmen über Rahmen über Rahmen gehängt, nicht nach Zeitaltern geordnet. Wie weitaufgerissene Augen. Vereinzelt auch Spiegelrahmen mit trübem und verwässertem Glas. Eine kleine Werkstatt. Ein kleines Lager mit restaurierungsbedürftigen Stücken. Platzsparend gehängt, berühren sie sich hier, was sie im Verkaufsraum nicht wagen. Dort ist immer ein kleiner Abstand, eine Distanz von einem Rahmen zum anderen. Als kennten sie sich, aber wollten nicht näher in Kontakt treten, auch nicht nach all den Jahrhunderten. Mit dieser klaren Trennung nimmt die Kälte zu, die von diesen Räumen ausgeht. Wäre da nicht eine kleine Kinderzeichnung - ein graues Mäuschen in buntgekleckster Umgebung auf Schmierpapier steckt in einem goldenen Rahmen -, der Autismus wäre perfekt.

"Das hat meine Tochter gemalt. Das hängt seit zwanzig Jahren da."

Also doch! Der Mann ist nicht ganz hinter seiner Ordnung und den Spiegeln verschwunden.