ZEIT: Herr Schröder, Sie kritisieren das Asienengagement der Bundesregierung. Warum?

Schröder: Ich begrüße, daß der Bundeskanzler zunehmend Interesse an Asien entwickelt hat. Es ist eine zentrale Schwäche der deutschen Wirtschaft, daß sie vor allem auf Europa ausgerichtet ist. Deshalb spricht es auch nicht gegen Kohl, daß er in Asien erst im Gefolge der deutschen Wirtschaft Präsenz gezeigt hat. Was ich hingegen für bedauerlich halte, ist die einseitige Ausrichtung der deutschen Politik auf China.

ZEIT: Wo ist das Problem?

Schröder: Kohl interessiert sich für Japan nicht, weil er dort keine Milliardenverträge unterzeichnen kann. Seinerzeit waren regelmäßige Konsultationen zwischen dem japanischen und dem deutschen Außenminister vereinbart worden. Sie wurden nicht eingehalten.

Das hat für mich symbolischen Charakter. Es gibt eine zunehmende Tendenz, Japan gegenüber China und den Tiger-Staaten zurückzustellen, die ich für falsch halte. Die Wirtschaftskraft Japans ist unvergleichbar viel größer als die aller anderen Länder in Asien und wird auch in den nächsten Jahren größer bleiben. Hinzu kommt, daß der japanische Markt tendenziell offener ist als zum Beispiel der chinesische.

Ich halte es deshalb für einen Fehler, Japan so nachrangig zu behandeln.

ZEIT: Von Hans-Dietrich Genscher stammt die Formel, das Problem zwischen Japan und Deutschland sei, daß es zwischen beiden Ländern keine Probleme gebe.