Berlin

Annette Fugmann-Heesing wollte die Sparklausur des Senats nicht beendet sehen, ohne eine Konsolidierung der Berliner Finanzen erreicht zu haben. Es fehlten immerhin 7,3 Milliarden Mark. Nach vier Tagen kräftezehrenden Tauziehens verließ die sozialdemokratische Finanzsenatorin vergangene Woche den Tagungsort im feinen Grunewald - entnervt und erfolglos. Die Hundesteuer war erhöht worden, viel mehr war nicht erreicht worden.

In dieser Woche nun geht es weiter. Die Finanzsenatorin ist zum Erfolg verurteilt wie der ganze Senat. Schafft es die Große Koalition nicht,den Haushalt des hochverschuldeten Landes einigermaßen auszugleichen, dann käme es zum Offenbarungseid der Berliner Politik. "Wenn es die Große Koalition nicht schafft, wer soll es sonst schaffen?"

fragt der christdemokratische Innensenator Jörg Schönbohm selbstbewußt.

Aber so einfach ist es nicht. Denn es sitzen nicht nur zwei Parteien am Tisch, es stehen sich auch zwei Konzepte gegenüber.

Die SPD möchte sparen und noch mal sparen, dazu Gewerbe- und andere Steuern erhöhen und die Kreditaufnahme deutlich senken, damit noch in dieser Legislaturperiode das Gröbste geschafft ist. Die CDU will die Wirtschaftskraft und die Attraktivität der Stadt nicht beeinträchtigen, lieber mehr Landesvermögen versilbern und das Ganze zeitlich strecken. Nun ist ein Kompromiß zwischen beiden Plänen auszuhandeln.

Haushaltsprobleme in dieser Dimension, sagt die 41jährige Senatorin, habe sie noch nie erlebt. Dabei war sie - nach einem Karrierebeginn als Stadtkämmerin in Herford - schon als 36jährige Finanzministerin in Hessen geworden, wo sie es ebenfalls mit großen Haushaltslöchern zu tun bekam. Wenn ihren Gegnern die Argumente ausgehen, wird ihr diese Biographie zum Vorwurf gemacht: Die Erfahrung aus Herford reiche in Berlin nicht aus, tönt es dann aus der CDU. Aber wer weiß, ob Herford nicht besser regiert wird als Berlin? Dort liegt die Verschuldung bei 1474 Mark pro Einwohner. Im Stadtstaat Berlin sind es 15 055 Mark, Tendenz: steigend.