DUISBURG. - Ralf Wies, der Vorsitzende des Kleingartenvereins "Feierabend", hat es derzeit nicht leicht. Seine Gartenfreunde sind zutiefst verunsichert und erwarten von ihrem Vorsitzenden, daß er ihnen sagt, was sie zu tun haben. Doch Wies muß passen.

Ob man das Selbstgezogene weiterhin bedenkenlos essen darf oder nicht - woher soll er das wissen? "Lest Zeitung, guckt Fernsehen!"

ist alles, was Wies seinen Leuten raten kann. Dabei ist ihm bewußt, daß die Lokalredakteure selber nichts wissen: "Die interviewen uns, und dann lesen wir in der Zeitung, was wir gesagt haben."

Ausgelöst hat die Verunsicherung eine Pressemeldung der grünen Umweltministerin Bärbel Höhn Anfang Oktober. Im südlichen Stadtteil Wanheim, keine 200 Meter Luftlinie von der Feierabend-Gartenanlage entfernt, seien "die höchsten Dioxinwerte" in der Luft gemessen worden, "die je in Nordrhein-Westfalen ermittelt wurden", heißt es da. Als Verursacher stünden - ausgerechnet - zwei Recyclingfirmen in Verdacht: die Mount Isa Mining (MIM) und die Berzelius Umwelt Service (BUS).

Bei 428 Femtogramm je Kubikmeter Luft habe der Mittelwert gelegen, als Spitzenwert seien sogar 1204 Femtogramm gemessen worden. Nach Ansicht des Länderausschusses für Immissionsschutz sollten jedoch 150 Femtogramm nicht überschritten werden.

"Femtogramm, Femtogramm!" erregt sich der Feierabend-Kassierer Klaus Wachendorf. "Bei uns wissen ja nicht mal alle, was Milligramm sind!" Auch er selbst mußte sich erst mal erkundigen: Ein Femtogramm entspricht einem Billiardstel Gramm - einer Zahl mit fünfzehn Stellen hinter dem Komma. Und das soll gefährlich sein?

Dioxin sei eindeutig krebserregend, auch schon in kleinsten Mengen, erklärt der Duisburger Arzt Michael Lefknecht von der "Bürgerinitiative gegen Umweltgifte". Allerdings könne wegen der langen Latenzzeit ein direkter Zusammenhang zwischen einer Krebserkrankung und einer bestimmten Dioxinbelastung nicht hergestellt werden. "Das ist das Gute für die Industrie", meint er bitter.