Wie erklärt man ein Land? Ein Land zumal, das so was wie sein eigener Kontinent ist, das nicht nur geologisch auf der tektonischen Bruchlinie zwischen zwei Welten liegt. Ein Land, das um sich herum 200 Seemeilen Fischgründe beansprucht und das sich das erste weibliche Staatsoberhaupt der Welt gewählt hat. Ein Land, das so voller Exzentriker ist wie kein anderes - vielleicht, weil die Sommernächte dort so hell sind wie die Wintertage dunkel oder weil kaum ein Baum den Blick bis zum Horizont verstellt und dafür die Erde unaufhörlich grummelt und Lava und heißes Wasser spuckt.

Zu besichtigen sind drei Möglichkeiten, die verschiedener nicht sein könnten und die doch - soviel sei vorausgeschickt - jede für sich gelungen ist: drei neue Island-Reiseführer.

Der Polyglott-Reiseführer Island von Hans Klüche (Polyglott-Verlag, Bd. 849, München 1996 96 S., 12,80 DM) zeigt einmal mehr, was unter dem Druck der Konkurrenz von Merian und Marco Polo aus den ebenso staubtrockenen wie informativ-praktischen Polyglotts von vorgestern geworden ist: eine Reiseführer-Reihe, mindestens so informativ wie früher, aber lebendiger. Dafür sorgen farbige Karten, vor allem aber zahllose Photos, die nie der Versuchung erliegen, nur Stimmung machen zu wollen. Statt dessen geben sie in jedem einzelnen Fall mehr Information, als auf dem gleichen knappen Platz per Text zu vermitteln wäre.

Wesentlich großformatiger zeigt Island entdecken & erleben (Mairs Geographischer Verlag, Reihe "abenteuer & reisen", München 1996 192 S., 29,80 DM) die Aufnahmen desselben Photographen Hans Klüche.

Den Text schrieb Arthúr Björgvin Bollason, ein isländischer Journalist, Fernsehmoderator, Übersetzer, Literaturwissenschaftler und Reiseleiter.

Er ist stolz darauf, seit Jón Svensson ("Nonni") der erste Isländer zu sein, der ein Buch auf deutsch geschrieben hat.

Wo der Polyglott das Land auf drei Wegen durch die Hauptstadt und sechs Reiserouten über die Insel abhandelt, nimmt Bollason den Leser zu vierzehn Reportagen mit, besucht alte Freunde und seltsame Käuze und zeichnet eher ein Bild von den Isländern als ein Bild Islands. Wer also das dünnstbesiedelte Land Europas wegen der grandiosen Natur und nicht wegen seiner Menschen bereisen will, der wird sich im "abenteuer & reisen"-Führer eher an die vielen bunten Bilder und die übersichtlichen Infoteile hinter jedem Kapitel halten.