Es ist ja oft so, daß man es im nachhinein lieber nicht gewußt hätte. So auch im Falle eines Aktenkonvoluts aus den Archiven des britischen Nachrichtendienstes MI-5, das nach fünfzig Jahren der Öffentlichkeit zur Einsicht freigegeben wurde. Betr.: P. G.

Wodehouse, Untertan Seiner Majestät und als Autor unzähliger humoristischer Romane auch von Millionen deutscher Nachkriegsleser innig geliebt.

Den MI-5-Protokollen ist nun zu entnehmen, daß Wodehouse diese Zuneigung erwiderte - und zwar schon während des Krieges. Der Schriftsteller lebte in Frankreich, als die Wehrmacht das Land angriff Wodehouse war sich nicht zu schade, die Befreiung aus dem deutschen Gefangenenlager mit einer Serie von nazifreundlichen Radioansprachen zu erkaufen. Zur Verstimmung britischer Diplomaten ließ er sich dann bis zum Kriegsende in Berlin und Paris von den Größen des Regimes verwöhnen. Aus den Akten geht auch hervor, warum Hitlers Bonzen dies taten: Sie hielten ihn für "den englischen Goethe". Das ist in der Tat eine bittere Erkenntnis.