Stockholm

Endlich mal kein Gejammere über Europa! Statt dessen: Rund hundert Frauen, die die kontinentalen Ablagerungen aus Mißmut, nationalen Egoismen und Furchtsamkeit entschlossen untergraben wollen. Ihr "Werkzeug": eiserner Willen und Optimismus Ehrenamt und Ehrentitel.

Was Frauen eben so gebührt. Geld? Nicht doch. Und das bringt die besonders Aktiven unter den Trägerinnen des "Women of Europe"- Preises, der in den fünfzehn Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, in Polen sowie in Tschechien verliehen wird, langsam in Rage. Am Ende ihrer dreitägigen "Inter European Networking Conference", die Mitte Oktober bei Stockholm tagte, fordern sie von den Brüsseler Verwaltern Europas Geld für ihre Projekte und einen offiziellen Status als NGO (Nichtregierungsorganisation) bei der EU. Sie wollen Einflußnahme - wie sie die Vereinten Nationen internationalen NGOs schon lange ermöglichen. Schluß mit der Bettelei!

Doch wie gesagt: Gejammert wird nicht. Europa muß gelebt werden.

Man hat auch gleich schon mal Frauen aus Rußland und dem Baltikum eingeladen. Networking heißt das Zauberwort: Fäden spinnen, Verbindungen knüpfen. Und das geht so: Irina Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein, deutsche Preisträgerin 1994, organisiert den deutsch-polnischen Austausch von Akademikern und sorgt dafür, daß polnische Manager Marktwirtschaft lernen. Ihr jüngstes Projekt: Zwölf Managerinnen im Osten von Polen wollen sich auch politisch engagieren - und im nächsten Jahr sind Wahlen. Das interessiert die Britin Lesley Abdela, Preisträgerin 1996. Die Journalistin motiviert, rekrutiert und trainiert Frauen für politische Ämter. Mit ihrer Hilfe ist es gelungen, den Frauenanteil im Unterhaus zu verdreifachen - er liegt allerdings immer noch bei skandalösen zehn Prozent.

Lesley hat ihr Projekt mittlerweile in alle Himmelsrichtungen getragen: nach Ghana und Nigeria, nach Makedonien und Armenien.

Auch in die Ukraine: "Dort haben sich 187 Frauen um die Kurse beworben. Wir konnten nur 25 aufnehmen." Sie weiß, welche Frauen man ansprechen muß, wie man Workshops gestaltet, wo man vielleicht ein bißchen Geld lockermachen kann.