ZEIT: Herr Fahning, um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen und neue Arbeitsplätze zu schaffen, plädieren Sie dafür, mehr staatliche Dienstleistungen anzubieten. Wo sehen Sie denn noch Angebotslücken?

Fahning: Es gibt sie primär im Bereich der Bildung, Erziehung, Kultur, Gesundheit und vor allen Dingen auch im Sicherheits- und Ordnungssektor. Darüber hinaus wäre auch bei Unterhalt und Pflege öffentlicher Einrichtungen zusätzliches Beschäftigungspotential vorhanden, Sie sehen ja die starke Verschmutzung von Straßen, Plätzen und Grünanlagen in den Gemeinden.

ZEIT: Wieviel Arbeitsplätze, glauben Sie, könnten auf diese Weise zusätzlich geschaffen werden?

Fahning: Das ist schwierig zu prognostizieren. Aber ich gehe davon aus, daß 250 000 bis 300 000 Arbeitnehmer zusätzlich beschäftigt werden können.

ZEIT: Gibt es aber nicht schon zu viele Staatsdiener? Politiker aller Parteien denken doch zur Zeit darüber nach, wie sie Personal abbauen und den schlanken Staat verwirklichen können.

Fahning: Dies ist sicher richtig, aber andererseits gibt es konkreten Bedarf. Wenn der Staat dem Bürger keine ausreichende Sicherheit mehr bietet, liegt doch etwas im argen. Und nehmen Sie die Überlastung der Justiz: Prozesse dauern unendlich lange, und die Rechtsuchenden müssen praktisch Schlange stehen.

ZEIT: Aber wie wollen Sie die zusätzlichen Staatsdiener finanzieren?