Ruckartig öffnet sich der Deckel der Puppe, unter der sich, noch ein wenig zerknittert, eine stattliche Bananeneule hervorschiebt.

An den Rand seiner alten Behausung geklammert, entfaltet der Schmetterling allmählich seine Flügel, rollt die spiralige Zunge auf und flattert schließlich los. Noch ein wenig taumelnd, mischt er sich unter die 300 anderen Gaukler aus 30 tropischen Schmetterlingsarten, die behende um die nektarreichen Pflanzen tanzen.

Das tropische Szenario ist mitten in Berlin zu besichtigen: Die "Schmetterlingslust" aus dem Britzer Garten, eine Freilufthalle für tropische Schmetterlinge, hat dazu ihr Winterquartier in der Kunsthalle Berlin aufgeschlagen. Da die Falter maximal drei Wochen leben, werden jede Woche neue Puppen per Kurierdienst eingeflogen.

Ständig schlüpfen neue Schönheiten, die wahrscheinlich nicht nur dem Besucher fremd sind. Auch der riesige Kometenschweif aus Madagaskar dürfte erstmals Bekanntschaft mit dem blau glitzernden Morphos aus Südamerika und dem seltenen Vogelfalter aus Papua-Neuguinea machen.

Ortswechsel: Am Eingang der Kunsthalle stehen zwei gewaltige Turnschuhe, die den Besucherstrom zu einer Ameisenstraße schrumpfen lassen.

Nicht auszudenken, wenn sie einen Schritt machten, ganze Welten könnten sie unter sich begraben. Schon fühlt sich der Gast als Winzling und ist - so eingestimmt - nicht weiter verwundert, wenn er im Inneren der Halle dann einer Heuschrecke in Pferdegröße begegnet. Ruckartig streckt das Tier die kräftigen Hinterbeine, stößt sich mit den Vorderbeinen vom Boden ab und spreizt seine vier Flügel. Das sechzigfach vergrößerte Heupferdemodell, einer von acht Insektenrobotern der japanischen Firma Kokoro, setzt zum Sprung an.

Auch eine überdimensionale Gottesanbeterin erwacht zum Leben.