HAMBURG. - Was kann man mit einem sechs Meter hohen Uhrenturm anfangen? In den Garten stellen und den Nachbarn um den Verstand läuten? Entkernen und als Laube für zeitlose Stunden mit der Liebsten nutzen? Oder, wer keine Liebste hat, als Hütte für den Hund? Zugegeben, die Vorschläge sind bemüht. Aber die Frage ist akut. Denn in Hamburg ist gerade ein Uhrenturm abhanden gekommen. Praktisch über Nacht verschwand das gute Stück vom Dach einer Kaserne. Die Polizei ist eingeschaltet, und jedermann fragt sich: Was will der Täter bloß damit?

Tatort: die ehemalige Scharnhorst-Kaserne im Stadtteil Harburg.

Soviel weiß man: Ein Mann mit einem Kranwagen war in der ausgemusterten Kaserne, die einer Wohnsiedlung weichen soll, aufgetaucht. Er räumte Betonsperren aus dem Weg, parkte vor der Kantine, bat um Stromanschluß und hob dann den zwei Tonnen schweren Uhrenturm vom fünfzehn Meter hohen Dach. Anschließend Abtransport per Tieflader.

Nach zwei Stunden war die Tat vollendet.

Empört ist ein Abbruchunternehmer, der die alte Kaserne dem Erdboden gleichmachen sollte und verwerten wollte, was wertvoll schien.

Zum Beispiel den Uhrenturm. Nun spricht er von sechs- bis achttausend Mark Schaden und versteht die Welt nicht mehr: "Kann denn jeder kommen und abbauen, was ihm paßt? Haben wir hier Selbstbedienung?"

Er will den Uhrenturm wiederhaben.