Der Natursprung der Schweine kommt außer Mode. Eber dürfen nur noch selten auf die Sau, sondern müssen ihren Beitrag zur Fortpflanzung auf einem Imitat aus Holz und Leder spenden. Das so gewonnene Sperma wird den Säuen später mit einem Plastikschlauch eingespült.

Mit dieser künstlichen Besamung - beim Menschen nennt man die Prozedur Insemination - wurden im vergangenen Jahr 42 Prozent aller Sauen in Deutschland geschwängert. Die Reproduktionsmedizin hat längst in Ställen und Koben Einzug gehalten.

Schweinezüchtern spart die künstliche Besamung Kosten und garantiert vor allem, daß sich nur die besten Eber fortpflanzen. Sie können bis zu tausendmal Vater werden, müssen sich zuvor jedoch einer strengen Bewertung unterziehen. So kassieren sie beispielsweise fünf Strafpunkte, wenn sie ein zwittriges Ferkel zeugen. Überschreitet ein Eber die Höchstgrenze für Erbfehlerstrafpunkte, "so wird er gemerzt", schreibt das Landwirtschaftsmagazin top agrar.

In der Rinderzucht werden heute bereits mehr als neunzig Prozent aller Kühe und Färsen künstlich besamt, 33 Besamungsstationen im ganzen Bundesgebiet versorgen die Bauern mit dem Sperma der besten Bullen. Doch auch die schönsten Kühe dürfen sich bevorzugt fortpflanzen, ohne sich aber mit einer Schwangerschaft zu plagen.

Mittels Hormonen lassen die Züchter in den Tieren zunächst eine Vielzahl von Eizellen reifen, dann wird künstlich besamt.

Am siebten Tag nach der Schöpfung spülen die Veterinäre mit einer Flüssigkeit die Embryonen aus der Kuh. Meist gewinnen sie bei dieser Lavage acht bis neun Keime, die dann genetisch minderwertigen Ammentieren eingesetzt werden. Dank dieser Leihmutterschaft können die edlen Spenderviecher bis zu fünfzigmal mehr Nachkommen zeugen als auf natürlichem Wege. Dieser Embryonentransfer wird immer beliebter, im vergangenen Jahr verpflanzten Züchter in Deutschland mehr als 20 000 Kuhkeime.

Vieles, was in der Tiermedizin begann, fand später Eingang in die Reproduktion des Menschen. Lange vor der Geburt des ersten Retortenbabys vollbrachte der Veterinär Walter Heape 1890 im englischen Cambridge erstmals eine künstliche Befruchtung einer Häsin. Ein wichtiger Fortschritt in der In-vitro-Fertilisation gelang später, als Forscher Rhesusaffen Embryonen in die Gebärmutter pflanzten.