Die Koalition hat schon geschlossener agiert. Am vergangenen Freitag in Bonn hieß es, man habe bis zur Bruchlinie des Bündnisses verhandelt.

Die Turbulenzen (es ging um fehlende acht Milliarden) geben einen Vorgeschmack auf die künftigen Auseinandersetzungen (es geht um hundert Milliarden), wenn denn die große Steuerreform Wirklichkeit werden soll. "Es wird schwierig, weil es konkret wird", sagt der Bundestagsabgeordnete Friedrich März. Das ist schön gesagt. Richtig und doch ganz undramatisch. So soll es sein.

Ein wenig irritierend ist es schon, daß auf dem CDU-Parteitag in Hannover die Koalitionsgefechte so gar keine Rolle spielten.

Geheimnisvoll ist es nicht. Kohl hat in seiner Rede nicht davon gesprochen. Das wirkt leitmotivisch. Die Delegierten haben sich trotzdem mit dem Erscheinungsbild der Regierung beschäftigt, außerhalb der Tagesordnung.

Doch noch immer gibt es Situationen, in denen sich Debatten nicht nur durch Vorschweigen des Kanzlers verhindern lassen. Dann spricht er eben: Ob man die Verspätung Theo Waigels nicht dazu nutzen könne, den Bericht Norbert Blüms aus der Rentenreformkommission entgegenzunehmen. Darüber diskutieren könne man ja später einmal.

Akzeptiert! Ohnehin gab Blüm viel Konsensfähiges zum besten: "Es geht jetzt um Innovation oder um den Rückzug in eine Welt der Untergangsstimmung." Letztere wird dem rotgrünen Lager zugerechnet.

Überhaupt, die Lagertheorie. Heiner Geißler hat sich dem Parteitag ausdrücklich als ihr Erfinder präsentiert. Sie, die Lagertheorie, habe sich ja jetzt endgültig durchgesetzt, meinte Geißler stolz.