Strahlende Herbstsonne in der Ebene von Suleimanieh, Kurdistan/Irak.

Auf den Straßen geschäftiges Treiben. Doch Bombendonner und Militärfahrzeuge der PUK-Peschmerga und der iranischen Pasdaran erschüttern die lehmgedeckten Häuser. Die Patriotische Union Kurdistans (PUK) des Kurdenführers Talabani, die in den Iran geflohen war, hat in dieser Nacht Suleimanieh, ihre Hochburg, seinem Rivalen Massud Barzani wieder abgenommen. Wild feuern die Kämpfer um sich. Einige Zivilisten werden Opfer des Taumels.

Seit dem Golfkrieg 1990 gibt es eine Freie Republik Kurdistan, die allerdings von keinem anderen Staat anerkannt wird. Eine UN-Sicherheitszone soll sie schützen. Die beiden großen kurdischen Parteien PUK unter Dschalal Talabani und KDP (Demokratische Partei Kurdistan) unter Massud Barzani hatten sich zunächst die Macht geteilt. Doch längst bekämpfen sie sich gegenseitig: Jeder will die Macht für sich.

Ende August stand für Massud Barzani fest, daß Talabanis PUK vom Iran unterstützt wird. Daraufhin rief er Bagdad zu Hilfe: Prompt waren die PUK-besetzten Städte wieder in KDP-Hand. Welchen Verlauf der jüngste Machtwechsel nehmen wird, scheint ungewiß. Trotz täglicher Appelle der USA zu Gesprächen zwischen Barzani und Talabani marschieren kurdische Peschmerga, mit den Waffen des Iran und des Irak ausgerüstet, weiter gegeneinander vor. Der US-Sonderbeauftragte für den Nahen Osten, Robert Pelletrau, hat mit Barzani dessen Gesprächsbereitschaft vorsichtig sondiert. Demnach werde dieser mit jedem verhandeln, der gute Absichten habe, niemals aber mit Talabani, der "Marionette des Iran".