Es gehört zu den Eigentümlichkeiten der deutschen Historiographie, daß über siebzig Jahre nach dem Tode von Friedrich Ebert noch immer keine wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Biographie vorliegt. Weder der 125. Geburtstag noch die nun in ihr achtes Jahr gehende Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte in Heidelberg konnte diesem Mangel bisher abhelfen, obwohl es sich bei Ebert um den wichtigsten Politiker der frühen Jahre der Weimarer Republik handelt. Daher greift man um so dankbarer nach jeder Veröffentlichung aus dem politischen und persönlichen Umfeld Eberts, so etwa zu den vorzüglichen Biographien des ebenfalls auffallend in Vergessenheit geratenen Reichskanzlers von 1919/20, Gustav Bauer (von Karlludwig Rintelen), oder des Reichswehrministers Gustav Noske (von Wolfram Wette).

Anzuzeigen ist hier nun ein Lebensbild von Friedrich Eberts Ehefrau Louise, in welchem, wie vom Autor Friedrich Winterhager im Vorwort eingeräumt, oft mehr auf Friedrich Ebert als auf seine Frau eingegangen wird. Dem Autor gelingt es zwar phasenweise, Louise Ebert als eigenständige Persönlichkeit neben ihrem Gatten erscheinen zu lassen, wo er aber mangels Quellen auf die allgemeinen politischen Rahmenbedingungen ausweicht, wirkt die Darstellung leider oft oberflächlich und spekulativ: "Auch Eberts scheinen, zumindest am 1. Feiertag, das Weihnachtsfest gefeiert zu haben, ohne sich von der Weltgeschichte stören zu lassen." Einige Zeilen zuvor heißt es: "Die Zeitung des Spartakusbundes hat das Weihnachtsfest 1918 als ,Eberts Blutweihnacht` bezeichnet. Es mag interessant sein, einmal nachzuzeichnen, wie Ebert die Tage vom 24. bis zum 26. Dezember 1918 tatsächlich verlebt hat."

So macht sich der bereits beklagte Stand der Forschung, den Menschen und Politiker Friedrich Ebert betreffend, erneut bemerkbar. Unzweifelhaft hat der Autor jedoch das Verdienst, die Quellenbasis für das Wagnis der noch zu schreibenden Ebert-Biographie verbreitert zu haben.

Friedrich Winterhager:

Louise Ebert (1873-1955)

Von der niedersächsischen Häuslerkate

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