JOHANNESBURG. - Wohin driftet die Außenpolitik des neuen Südafrika?

Im Umgang mit der Diktatur in Nigeria unentschlossen, den Regimen in Libyen und Kuba freundschaftlich zugetan, zwischen China und Taiwan pendelnd - die Liste der diplomatischen Fehltritte und Zaudereien Pretorias wächst.

Fraglich auch, wer am Kap die Außenpolitik bestimmt. Der Staatspräsident und das Außenministerium vertreten mitunter widersprüchliche Positionen.

Nachdem sich zum Beispiel in Burundi Major Buyoya an die Macht geputscht hatte, spielte Südafrikas Vize-Außenminister Aziz Pahad mit dem Gedanken einer militärischen Intervention unter multilateralem Kommando. Präsident Mandela hingegen hält ein Engagement für ausgeschlossen - vorerst jedenfalls.

Fachleute warnen, der Wankelmut Pretorias könne sich nachteilig auf den Standort Südafrika auswirken. Denn für potentielle Investoren zählt auch die Berechenbarkeit einer Regierung.

Ende 1993 hatte Präsident Mandela in der Zeitschrift Foreign Affairs die außenpolitischen Prinzipien des ANC skizziert nach dem Machtwechsel im Mai 1994 wurde die Blaupause zum Kursbuch der auswärtigen Politik.

Was sich in der Theorie recht eindeutig ausnahm, erweist sich in der Praxis allerdings als zweischneidige Angelegenheit.