Ein ungewöhnliches Konzept verfolgt der neugegründete Schweizer Veranstalter "Background Tours": Namhafte Journalisten begleiten die Reisen, liefern politische Hintergründe und vermitteln im Zielgebiet interessante Gesprächspartner.

Die Idee zu diesem Projekt hatte der bekannte TV-Journalist Erich Gysling. Der Sechzigjährige, der fünf Jahre lang Chefredakteur des Schweizer Fernsehens war und jetzt als Sonderkorrespondent von wichtigen politischen Ereignissen im Ausland berichtet, war auf der Suche nach einer Beschäftigung für den Ruhestand: "Ich wollte herumreisen und gleichzeitig etwas Sinnvolles tun."

Schon Anfang November startet Gysling die Probe aufs Exempel: Er wird nicht nur die Übertragungen von den US-Präsidentschaftswahlen moderieren, sondern zugleich eine Reisegruppe nach Washington mitnehmen. "Background Tours will quasi Recherchereisen organisieren", erklärt Erich Gyslings Geschäftspartner Ruedi Bless. "Es gibt eine ganze Reihe von Journalisten, die ihr Wissen einmal Auge in Auge weitergeben wollen."

Für ihr ungewöhnliches Programm konnte die Luzerner Firma auch den früheren ZEIT-Reporter Andreas Kohlschütter, den ehemaligen Auslandskorrespondenten der Neuen Zürcher Zeitung, Arnold Hottinger, und den namhaften Tourismusforscher Jost Krippendorf gewinnen.

Krippendorf wird im Juni und September 1997 beispielsweise achttägige Exkursionen leiten unter dem eigenwilligen Titel "Ruhrgebiet: Reise ins Tal der Könige". Im Mittelpunkt dieses Angebots stehen Industriegeschichte und Strukturwandel im Revier, die Internationale Bauausstellung und die Bundesgartenschau. Die Teilnehmer werden nicht nur in Zechen einfahren und Museen besichtigen, sondern auch Landschaftsarchitekten sowie Vertreter der Krupp-Stiftung und von Bürgerinitiativen treffen.

Das Programm von Background Tours soll so vielschichtig sein wie die Spezialgebiete der Publizisten: Nahostexperte Hottinger konzipierte die Ägyptenreise "Islamische Tradition und Moderne", Kohlschütter will auf einer zweiwöchigen Tour durch Hongkong, Taiwan und Südchina über die aktuellen politischen Entwicklungen informieren. Die Reise durch Südafrika, die der Firmengründer Erich Gysling selbst ausgearbeitet hat, beinhaltet unter anderem auch den Besuch eines katholischen Gottesdienstes in der Kapstädter Township Guguletu.

Weitere Ziele sollen Sizilien, Rußland, Kuba, Argentinien, Eritrea und Indonesien sein. Abgerundet wird das Programm durch Musik- und Kulturreisen, beispielsweise zum "Alternativa"-Festival im Frühjahr 1997 nach Moskau.