Der deutsche Rüstungsmanager bewegte sich bei seinem Auftritt vor französischen Militärexperten auf diplomatischem Parkett.

Doch die Wortwahl von Werner Heinzmann, Vorstandsmitglied der Daimler-Benz Aerospace (Dasa), war gänzlich undiplomatisch. "Wir werden es nicht zulassen, daß die deutsche Aerospace- und Verteidigungsindustrie in eine Situation gerät, wo sie sich nur noch als Juniorpartner oder in der Peripherie um mögliche französische Verteidigungscluster herumgruppieren kann", brüskierte Heinzmann Ende April sein Pariser Publikum.

Die Angst der Dasa war begründet. Vergangene Woche entschied Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac, den Hersteller für Militärkommunikation Thomson-CSF der Raketenschmiede Matra zuzuschlagen, einer Tochter des Mischkonzerns Lagardère Groupe. Matra Thomson steigt mit achtzehn Milliarden Mark Umsatz zu Europas größtem Anbieter von Rüstungselektronik auf. Weltweit belegt das Firmenduo Platz zwei in dieser Sparte.

Bereits im Juli hatte Industriepolitiker Chirac die Verschmelzung von Dasas Airbus-Partner Aérospatiale mit Dassault, dem Hersteller der Rafaele-Kampfjets, verordnet. Mit einem Umsatz von ebenfalls achtzehn Milliarden Mark entsteht hier Europas größter Luft- und Raumfahrtkonzern.

Die Schaffung der beiden Rüstungschampions ist nur ein erster Schritt. Frankreichs Verteidigungsfirmen sollen so die "kritische Größe" erreichen, um beim Aufbau einer europäischen Rüstungsindustrie "den entscheidenden Anteil zu halten", hatte Verteidigungsminister Charles Millon erklärt. Industrieminister Franck Borotra war noch deutlicher. Beteiligungen an Joint-ventures billige er nur, wenn die Franzosen die Mehrheit hielten. So viel Hegemonialwille irritiert inzwischen nicht nur die Dasa, sondern auch das Bonner Verteidigungsministerium.

Mit den beiden Fusionen hat Frankreich sich zum Scharnier in der europäischen Militärkooperation gemacht und kann so künftige Zusammenschlüsse europäischer Rüstungsfirmen lenken. Die Zusammenarbeit mit Großbritannien wird über Matra Thomson gebündelt. Seit Jahren bauen beide Firmen mit den britischen Waffenproduzenten General Electric Co. (GEC) und British Aerospace Radargeräte, ferngesteuerte Raketen und Aufklärungssatelliten. Die Militärproduktion mit Deutschland wird über das Duo Aérospatiale-Dassault laufen. Aérospatiale betreibt mit der Dasa viele Gemeinschaftsfirmen wie etwa die Hubschrauberschmiede Eurocopter.

Doch die deutsch-französische Zusammenarbeit steckt in der Krise.