Mal ehrlich: Wer nimmt es abends auf einsamer Straße mit roten Fußgängerampeln schon so genau? Und wer tut nicht dem Klempner (wie sich selbst) schon einmal den Gefallen, zahlt für fleißige Arbeit nach Feierabend steuerfrei bar auf die Hand?

Die kleinen Verfehlungen des Alltags sind mitnichten Zeichen für den Zerfall von Recht und Moral - sondern ein Ausweis geistiger Kapazität. Je höher der Bildungsgrad, fand das Forsa-Institut im Auftrag von Bild am Sonntag heraus, desto bereitwilliger verstoßen die Staatsbürger gegen gesetzliche Regeln. Kurz: Die Dummen sind hierzulande die Ehrlichen.

Und was, bitte schön, lehrt uns das? An die fünfzig Milliarden Mark gehen den Staatskassen Jahr für Jahr allein durch Schwarzarbeit verloren. Wenn nun ausgerechnet an den Bildungsetats von Bund und Ländern leidenschaftlich gespart wird, dann hat das offensichtlich gute Gründe - künftige, ungebildete Generationen werden sich viel weniger darum drücken, hohe Steuern und Abgaben zu zahlen. Die Finanzminister sind halt gescheiter als gemeinhin gedacht.