Am Ergebnis der japanischen Parlamentswahlen läßt sich nicht herumdeuteln: Von den regierungsfähigen Parteien haben am vergangenen Sonntag nur die konservativen Liberaldemokraten (LDP) deutliche Gewinne erzielen können. Die anderen bürgerlichen Parteien, die sich 1993 zu einem inzwischen historischen Regierungsbündnis gegen die LDP zusammengeschlossen hatten, erlitten hingegen deutliche Verluste.

Allein die Kommunisten konnten unter den Oppositionsparteien Stimmen hinzugewinnen.

Die japanischen Zeitungen lasen in dem Ergebnis vor allem den Wunsch der Wähler nach Stabilität und einem Ende der Koalitionsregierungen, von denen die letzte - eine Koalition der ehemals verfeindeten Liberal- und Sozialdemokraten - besonders anstößig schien. Das vermutete Wählerbegehren wird sich jedoch so schnell nicht einlösen lassen: Weil die LDP trotz ihres guten Abschneidens die absolute Mehrheit verfehlte, war sie sogleich wieder zu Koalitionsverhandlungen mit den zur Fünfprozentpartei geschrumpften Sozialdemokraten gezwungen.

Ein Zurück zu den alten Zeiten uneingeschränkter LDP-Herrschaft wird es indes nicht geben. Viele Nichtwähler, deren Anteil die Rekordhöhe von vierzig Prozent erreichte, drückten diesmal offen ihren Überdruß aus. Das Comeback der LDP hätte auch gründlich mißlingen können, wenn die graue Regierungspartei nicht ausnahmsweise mit Ryutaro Hashimoto über einen populären Spitzenkandidaten verfügt hätte. Die Beliebtheit des Premiers hatte ihren Preis: Hashimoto, dessen Wiederwahl zum Regierungschef gesichert scheint, versprach im Wahlkampf weitreichende Reformen von Verwaltung und Wirtschaft - auch gegen den Willen der eigenen Partei. Wird er seine Versprechen nun halten können?

Japan befindet sich in einer Übergangsphase: Eine Mehrheit ahnt, daß die bürokratische Kontrolle der Wirtschaft heute eher schadet.

Verwaltungsreformen aber gehen in Japan an das Herz des Systems.

Sie verlangen eine neue politische Kultur, frei von der autokratischen Tradition des Konfuzianismus, in der die Macht der Staatsbeamten gründet. Ein solcher Weg aber ist ohne tiefgreifende Selbstkritik nicht gangbar. Es mag also schon erstaunen, daß sich die Verwaltungsreform zum beherrschenden politischen Thema entwickelt hat, das auch die LDP nicht mehr ignorieren kann.