Weißer Wasserdampf steigt in die graue Spätsommerluft des Hagenauer Forsts. Nein, hier im nördlichen Elsaß gibt es keine Geysire.

Geophysiker zapfen die Wärme der Erde an, um Energie zu gewinnen.

Kürzlich ist es den Forschern sogar gelungen, den deutschen Energieriesen RWE und den französischen Versorger EDF für eine Beteiligung an der nächsten Ausbauphase des Projekts zu gewinnen.

Der aufsteigende Dampf ist der sichtbare Hinweis auf zehn Megawatt thermischer Leistung, die von der Gruppe um Jörg Baumgärtner hier aus der Erde geholt wird. Der Geophysiker ist einer der Manager der Société de Coopération Minière et Industrielle (Socomine), die hier ein Wärmetauschsystem gewaltigen Ausmaßes betreibt: "Hot-Dry-Rock" heißt das Verfahren bei den Experten. Das Wasser wird etwa 3,7 Kilometer tief in den Granit gepumpt, der dort unten 160 Grad heiß ist. Dann bewegt es sich durch viele unterirdische Spalten und Risse zum 450 Meter entfernten zweiten Bohrloch, an dem es beinahe ohne Verluste wieder hochgepumpt wird.

Wer sich auf staubiger Piste im sanften Hügelland von Soultz-sous-Forêt dem Bohrloch GPK-2 nähert, nimmt dröhnende Dieselpumpen wahr, die mit Tausenden Pferdestärken Wasser in den Granit pressen.

Der hohe Wasserdruck soll noch mehr Platz im Gestein schaffen, damit in der Tiefe eine möglichst große Fläche für den Wärmeaustausch entsteht.

"Wegen der vielen Klüfte und Risse, die wir in den vergangenen Monaten systematisch verbreitert haben, ist bereits eine Fläche von drei bis vier Quadratkilometern entstanden. Das sind ideale Voraussetzungen für eine stabile Zirkulation", erklärt Fritz Rummel, Geophysiker an der Ruhr-Universität Bochum und wissenschaftlicher Begleiter des geothermischen Projekts.