Watt - das scheint platt. Doch weh, wenn die See sich meterhoch erhebt über das mittlere Hochwasser, dann ist die Sorge groß in geduckten Häusern. Ob der Deich wohl hält?

Küstenschutz ist an Schleswig-Holsteins Nordseeküste das Thema Nummer eins, immer schon und nun schon wieder. Denn die Pläne, den Nationalpark Wattenmeer zu erweitern (ZEIT Nr. 43/96), haben einen alten Streit neu belebt: Gefährdet der Naturschutz den Küstenschutz?

Deich - das klingt weich. Doch ist der Deich just das Gegenteil, nämlich fest. Das wird bewirkt auf zweierlei Weise vom Schaf: durch Appetit und Gewicht. Ständiges Fressen hält die Grasnarbe kurz ständiges Herumtrampeln komprimiert den Boden. Von Goldenen Hufen spricht respektvoll der Bauer, seit Generationen daran interessiert, nicht davongespült zu werden.

Schaf - das klingt brav. Doch wo das Schaf hintritt, da wächst nur Gras, nichts anderes. Deshalb dulden die Naturschützer das Schaf gerade noch auf dem Deich, aber nicht mehr im Vorland auf den ökologisch so bedeutsamen, weil salzigen Wiesen, die gibt es nämlich nur hier.

Ökologisch - das klingt wertvoll. Doch die Bauern sagen, die Biologen hätten keine Ahnung. Wichtig sei kurzes und kräftiges Gras auch im Vorland! Statt dessen hänge es nun lang und struppig herum.

Einmal dran ziehen, und schon fliege es büschelweise davon, weil der Boden darunter ohne Halt sei. Wenn der Blanke Hans komme, man werde es erleben, der werde sich das Vorland holen und vielleicht den Deich noch dazu, all das, was ihm die Friesen in Jahrzehnten und Aberjahrzehnten abgerungen hätten.

Sturmflut - das klingt ungut. Doch die Biologen sagen, die Bauern hätten keine Ahnung. Stünden die Zeichen auf Sturm, stehe das lange Gras seinen Mann - und fische, was fest ist, aus der Flut es fördere die Sedimentierung und diene damit sogar dem Küstenschutz.