Einsam steht es da das warme Wort im kalten Text: "Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen." Seit 1986 schmückt sich das deutsche Tierschutzgesetz mit dem Begriff der "Mitgeschöpflichkeit", einem Pietisten-Wort des 18. Jahrhunderts.

Was darunter im einzelnen zu verstehen ist, regelt das Kleingedruckte.

So ist es zum Beispiel mit der Mitgeschöpflichkeit durchaus vereinbar, Tiere in Labors mit Elektroschocks zu Tode zu foltern, am lebendigen Leib zu verätzen, zu verstümmeln und zu vergiften, in Drahtkäfige einzupferchen und ihres Pelzes wegen zu vergasen.

Nur von Zeit zu Zeit dringt das Blöken der Rinder und Wimmern der Versuchstiere aus ihren Stehsärgen und Batterien hinaus an die Öffentlichkeit. Engagierte Tierschützer prangern das Unrecht an, und aufgeschreckte Parlamentarier fühlen sich trotz des in der Bundesrepublik international noch vergleichsweise hohen Tierschutzniveaus irgendwie nicht so richtig wohl.

Jedesmal wenn die Welle der Skandale und des Protests erneut aufbraust, entsteht ein neuer Gesetzentwurf. Zuerst 1972, dann 1986, 1990, 1993 und seit vergangener Woche nun die fünfte Novelle der Nachkriegszeit.

Wichtigste Verbesserung des Schutzgesetzes ist das Verbot von Tierversuchen für sämtliche Kosmetika, was bisher nur für dekorative Kosmetika galt, also Make-up-Produkte. Und Vierzehnjährige müssen zwei weitere Jahre warten, bis sie einen Guppy oder einen Goldfisch käuflich erwerben dürfen.

Um bei der Neudefinition der Mitgeschöpflichkeit nicht gleich ins Unmaß zu verfallen, erleichtert der Bundeslandwirtschaftsminister im Gegenzug die medizinische Forschung mit Versuchstieren. Die Genehmigungszeit für Forschungsvorhaben wird generell auf drei Monate begrenzt, das Verfahren erleichtert.